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Weltjugendtag-Weblog - Archiv vom 14.08.05

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Sonntag, 14.08.2005

Bild von Stefan Domke, Rechte: WDR

Ist nicht so gemeint

Köln, Messehalle fünf, Pressezentrum des WJT

Am Ende sorgt Anna für Aufklärung, was den Blog: angeblichen Maulkorberlass für freiwillige Helfer angeht. Anna arbeitet im Pressezentrum und hat selbst an der Erstellung des umfangreichen Handbuchs für Freiwillige mitgewirkt. "Was hundertprozentig nicht drin steht ist, dass Freiwillige nicht mit Journalisten reden dürfen." Auf meine Bitte holt sie dann zwei Handbuch-Exemplare hervor. Gemeinsam suchen wir blätternd und lesen quer. Weiter hinten das A-Z für Volunteers. Interessant. Was die alles beachten müssen: P wie Pause. P wie Polizei. P wie Post. P wie Presse.

Das Handbuch für Freiwillige; Rechte: WDR/Domke

Da steht's doch: "Zu offiziellen Stellungnahmen ist allein der Bereich Kommunikation und Öffentlichkeit berechtigt."
Doch Anna versucht abzuwiegeln. Damit sei doch nur gemeint, dass die Jugendlichen sich z.B. nicht zu Fragen der Finanzierung des WJT äußern sollen. Doch auch sie scheint mit dem im eher rigiden Behördendeutsch abgefassten Passus nicht ganz glücklich zu sein und greift zum Telefon.
Wenig später meldet sie Vollzug: "Wir streuen jetzt nochmal per Rundmail, dass unsere Volunteers selbstverständlich Auskunft zu Dingen geben dürfen, die sie selbst betreffen!"
Na also, einem fröhlichen "Mein Name ist Maria und ich finde den Papst..." steht nun nichts mehr im Weg.

Weitere Verweise zu Ist nicht so gemeint

Kommentare zum Eintrag Ist nicht so gemeint

Na hoffentlich checken alle Volunteers regelmäßig ihre E-Mails - oder lesen dieses WJT-Blog! ;-)

WJT-Blog-Süchtige am 14.08.05 19:07

@...Süchtige:
Das tun sie, wie ich bestätigen kann. ;)

Svetlana am 15.08.05 00:49

Das entscheidende Wort ist doch ganz einfach "offiziell"! Ist nichts Ungewöhnliches; Journalisten sollten das eigentlich kennen, auch wenn sie - natürlich - immer versuchen, widersprechende, verblüffende, provokative, aufsehenerregende Antworten von anderen als den offiziellen Presseleuten zu bekommen...

scipio am 15.08.05 07:45

Hallo Scipio,

Du hast natürlich Recht: Wer den Satz genau durchliest versteht, dass nur "offizielle" Stellungnahmen nicht erlaubt sind. Ich bezweifel aber, dass die jungen Helfer - teils des Deutschen oder Englischen nur bedingt mächtig, dies auch so verstehen.

Stefan am 15.08.05 10:02

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Bild von Stefan Domke, Rechte: WDR

Zum Lunchpaket ein Maulkorb dazu?

Köln, Messegelände

Hinweisschild am Freiwilligen-Schalter in Messehalle 10; Rechte: WDR/Domke

In dieser riesigen Messehalle sollen also seit einigen Tagen nicht nur Lunchpakete und Pilgerrucksäcke, nicht nur T-Shirts in Größe XXL und Quartierbeschreibungen verteilt worden sein. Hier gab es angeblich auch Maulkörbe für junge WJT-Helfer. "Don't talk to journalists" soll den jungen Helfern mit auf den Weg gegeben worden sein.
"Nein, das kann ich mir nicht vorstellen" sagt Gisela Johanns zu mir und wirkt verwundert, als ich sie auf das angebliche Redeverbot für die jungen WJT-Helfer anspreche. Und sie müsste es doch wissen, schließlich liegt die Organisation des Freiwilligen-Checkin mit in ihrer Hand. Doch schon regt sich direkt neben ihr Widerspruch. Eine junge Frau, selbst seit Tagen im freiwilligen Dauereinsatz, erzählt, bei einer Schulung vor einigen Tagen habe es tatsächlich eine entsprechende Anweisung gegeben. Gisela Johanns ist für einen kurzen Augenblick sprachlos. "Dann müssen sie dazu Herrn Kopp fragen", (Pressechef des Weltjugendtags, Anm. des Verfassers). Ich mache mich auf den Weg zur Messehalle fünf, ins WJT-Pressezentrum.

Hinweisschild an der Ausgabe für Volonteers-T-Shirts in Übergröße; Rechte: WDR/Domke

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Kommentare zum Eintrag Zum Lunchpaket ein Maulkorb dazu?

Bleib dran, Stefan!

WJT-Blog-Süchtige am 14.08.05 17:30

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Bild von Stefan Domke, Rechte: WDR

Ich sehe rot: Redeverbot für Volunteers?

Köln Innenstadt, eigentlich überall

WJT-Helferjackenaufdruck; Rechte: WDR/Domke


Das Gespräch der drei jungen Leute klingt nach EU-Osterweiterung. Jene beiden dort drüben sehen nach ganzjährig besserem Wetter in ihrer Heimat als bei uns im Hochsommer aus. Und der hier auf der Treppe zum Hauptbahnhof? Seinen Augen nach zu urteilen könnte er ganz sicher eine hervorragende Ente süß-sauer zubereiten, oder? Mal fragen. Oh, vertan, Fettnäpfchen. Statt englisch mit chinesischem Akzent (wie auch immer das klingen würde), antwortet Tom auf deutsch mit rheinländischem Einschlag.
Eines ist ihnen allen gemeinsam: Sie gehören zur Vorhut des Weltjugendtags, sind als Volunteers, also als Freiwillige schon seit dem Wochenende in der Stadt. Thailand, Polen, Italien, USA, Hongkong, Slowenien, Litauen - die mehr als 20.000 freiwilligen Helfer kommen aus fast allen Ländern der Welt und haben doch sehr viel gemeinsam: Sie sind jung, sie haben gute Laune, sie sind fast nie allein unterwegs und vor allem: Sie tragen alle rote Regenjacken.

Collage von Bildern roter Regenjackenträger; Rechte: WDR/Domke

Audio: Aus aller Herren Länder: Babylonisches Sprachgewirr bei den WJT-Helfern


Schade nur, dass die Weltjugendtagsorganisation kein Vertrauen in die Jugend der Welt zu haben scheint: "I'm so sorry, but we are not allowed to talk to journalists" bekomme ich mehr als einmal von den Rotgewandeten zu hören.
Redeverbot für den katholischen Nachwuchs? Was könnten die Jugendlichen denn Falsches sagen? Dass sie den Gebrauch von Kondomen nicht grundsätzlich für falsch halten? Dass ihrer Meinung nach auch Frauen das Wort Gottes von der Kanzel verkünden sollten? In Halle 10 des Kölner Messegeländes, wo die Leitung der WJT-Volunteers Quartier bezogen hat, wird man mir vielleicht Antworten geben können.

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Kommentare zum Eintrag Ich sehe rot: Redeverbot für Volunteers?

Wahrscheinlich handeln die OrganisatorInnen nach dem altbekannten Bibelzitat: "Selig sind die Sprachlosen, denn die Berichterstattung kann sich nicht gegen sie wenden."
Bin sehr gespannt auf die Fortsetzung!

WJT-Blog-Süchtige am 14.08.05 16:16

Das Redeverbot ist skandalös und zeigt nur dass die Katholische Kirche ihre Weltoffenheit nur vorgaukelt!

der_protestant am 14.08.05 17:05

"Zu offiziellen Stellungnahmen ist allein der Bereich Kommunikation und Öffentlichkeit berechtigt."

Und wo sieht da wer einen Maulkorb? :-/

_Offizielle_ Stellungnahmen bedürfen eben einem gewissen Grad an Informiertheit. Das kann man doch bei jedem Freiwilligen nicht einfach voraussetzen.

Das schließt aber doch nicht aus, dass sich ein Freiwilliger _privat_ zu bestimmten Themen äußert.

Manchmal ist der altbewährte Grundsatz "Reden ist Silber, Schweigen ist Gold" doch berechtigt. Ich selbst habe leider auch schon mal die Erfahrung machen müssen, dass gewisse Journalisten mir das Wort im Munde umgedreht haben. Und das holt man als Einzelner aus keiner Zeitung mehr zurück ...

NB: Gibt's eigentlich keine wesentlicheren Probleme auf der Welt? :-/

Thomas Nolte am 14.08.05 21:29

Dieser Beitrag auf der Internet-Seite einer öffentlich-rechtlichen Rundfunkanstalt ist einfach nur lächerlich! Durch vermeintlich übergenaue Textanalyse soll dem Vorurteil einer Laien-Unmündigkeit in der katholischen Kirche Vorschub geleistet und somit ein Schatten auf den WJT in Köln gelegt werden. Mit kritischem Journalismus hat es nichts mehr zu tun, schlechter formulierte Passagen in 2-sprachigen Handbüchern so einseitig und dem erkennbaren Erklärungswert entgegen auszulegen.

Da kann ich nur (selten, aber in diesem Punkt bestimmt und ohne Vorbehalt) das RTL-Morgenmagazin loben, dass unbürokratisch und ohne diese Kleinkariertheit über die tätige Nächstenliebe der Freiwilligen vor Ort zu berichten weiß.

Trotzdem wünsche ich allen - auch den Journalisten - einen gesegneten WJT!

Euer Gregor

Gregor am 15.08.05 01:10

lächerlich ist, dass überhaupt so extrem viel über den wjt berichtet wird. und das noch mit einem ziemlich dummen bis albernen blog zu krönen, nur weil offensichtlich auch das öffentlich-rechtliche fernsehen das jetzt entdeckt hat, ist wirklich dämlich.

den pilgern und dem papst alles gute

patrick

Patrick Hohmann am 15.08.05 14:29

uuuh.
Inzwischen ists ja geklärt.
Na, ich bin froh, dass ich miterleben kann, was es so zu sehen und zu erleben gibt.

Dave Matthew am 18.08.05 16:09

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Bild von Stefan Domke, Rechte: WDR

Denkt die Spinne: Spinnen die?

Köln, vor dem Domportal

Spidermann Dari umzingelt von katholischen Jugendlichen Rechte: WDR/Domke

Spiderman hat keine Chance. Ohne Vorwarnung stürzen sie auf ihn zu. Sie kreischen, sie kreisen ihn ein. Wie einstudiert fassen sie sich an den Händen, schließen den Kreis enger um ihn. Dann ist es so weit: Jemand stimmt ein Lied ein und alle singen mit.
Nur Dari steht wie angewurzelt in der Mitte und weiß nicht wie ihm geschieht. Mit vielem mag der junge Russe gerechnet haben, bevor er nach Deutschland kam, aber nicht mit einer Horde rot gewandeter WJT-Volunteers, die ihn urplötzlich in friedlicher Absicht umzingeln. Dabei wollte er doch nur ein bisschen Geld verdienen. Als Spiderman vor dem Kölner Dom.
Nein, von einem Weltjugendtag hat Dari in seiner Heimat noch nie etwas gehört. Und um sich mit den ausgelassen tanzenden italienischen WJT-Helfern zu unterhalten, mangelt es beiden Seiten an Sprachkenntnis.

Jugendliche machen die Welle vor dem Kölner Dom Rechte: WDR/Domke

Immerhin, am Ende reicht es für eine gemeinsame "La Ola", auch wenn sich Dari ein wenig zu quälen scheint.
"Funny, very funny" ist denn auch der einzige Kommentar, der Dari im Anschluss über die Lippen kommt. Ein womöglich ironisches Funkeln seiner Augen wird von seiner Maske gnädig verdeckt.

Spiderman Rechte: WDR/Domke

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Bild von Stefan Domke, Rechte: WDR

Worthülsen

Köln, Roncalliplatz

Ingo Wolf auf dem Kölner Roncalliplatz Rechte: WDR/Domke


Alle sind sie da. ARD, ZDF, WDR und die Privaten. Dazu ein Dutzend Zeitungsjournalisten und sechs, sieben Fotografen. Schließlich hat nicht irgendwer, sondern der NRW-Innenminister zum Pressetermin geladen.
Als die Kameras laufen, hebt Ingo Wolf seine Stimme: "Ein Mega-Event steht bevor", "die Jugend der Welt in der Stadt zu Gast", "Absolute Sicherheit kann niemand garantieren", "Wir tun alles, damit…", "Das Marienfeld, eine Millionenstadt für einen Tag".
"Was wichtiges?" fragen sich Passanten, die vom Presserummel angezogen neugierig stehen bleiben. Nein, möchte ich antworten, Sie hören nur eine identische Wiederholung dessen, was der Innenminister bereits letzte Woche schon auf dem Marienfeld gesagt hat.
Aber der Weltjugendtag bietet Politikern eben eine willkommene Bühne.

WDR: Innenminister Wolf auf dem Marienfeld (04.08.05)

Blog: Blobberpfffff für den Papst (11.08.05)

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