"Du wachst auf und stehst als erstes knöcheltief im Schlamm. Kein wirklicher guter Start in den Tag, oder?" Jana lächelt leicht gequält.
Kaum jemand in Köln leidet unter dem tagelangen Dauerregen so sehr wie sie und die rund 4.000 anderen WJT-Helfer, die in einem Zeltlager am Fühlinger See untergebracht sind.

In der Zeltstadt, acht Kilometer vom Dom entfernt, herrscht an diesem Vormittag Aufbruchstimmung. Polnische Pfadfinder verlassen das Gelände mit Sack und Pack, Minuten später beendet eine französische Jugendgruppe ihr Übernachtungsprojekt "Kölner Seeidylle". "The Place here is beautiful, but the fucking weather…". Gut, dass das der Papst nicht gehört hat.
Gut aber vor allem, dass es Alternativen gibt: "Wer nicht mehr mag, bekommt jederzeit ein Ausweichquartier angeboten", hat mir Gisela Johanns von der WJT-Helferorganisation bereits gestern Abend versichert.
Vor allem bei Helfern aus südlicheren Ländern ist die Toleranzschwelle, was das deutsche Wetter betrifft, mittlerweile überschritten. "Die Spanier sind als erstes abgehauen", erzählt mir ein Pärchen aus dem Schwarzwald. Sie selbst geben nicht auf:"Wir bleiben, ist ja ab morgen besseres Wetter angesagt." Wichtig sei nur, so verraten mir die beiden, beim Schlafen nicht mit Kopf oder Fuß an die Zeltwand zu stoßen: "Die Dinger sind nur einwandig, dann steht das Zelt sofort unter Wasser."
Währenddessen bahnen sich mit Rucksäcken bepackte Wetterflüchtlinge ihren Weg zur Bushaltestelle durch ein Pfützenmeer.

Martin hingegen ist hartgesotten: "Zuhause ist das Wasser noch kälter", meint der Bayer, der in seiner Heimat regelmäßig im Starnberger See baden geht, und bibbert nur aus Spaß ein bisschen theatralisch. "Allerdings kommt zuhause auch nicht sofort die DLRG, wenn man in die Fluten taucht." Denn während des WJT patroulliert ein Boot der Wasserretter auf dem Fühlinger See und unterbindet jeglichen Schwimmversuch außerhalb des dafür vorgesehenen Bereichs. Ordnung muss schließlich sein.
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