Mein größter Dank geht an die Pilger! Das bunte Treiben, die fröhlichen Gesänge und die heiter-freundliche Atmosphäre werden mir fehlen. All das war ansteckend und ich hoffe, dieser "WJT-Virus" hält sich noch lange in der Stadt. Die schönste Erfahrung der letzten Tage war: Hunderttausende, sogar eine Million Menschen können zusammen kommen und friedlich miteinander feiern. Ja, selbst nach dieser heftigen
Nacht auf dem Marienfeld ist euch die gute Laune nicht vergangen. Und auch die Freundlichkeit und Achtsamkeit im Umgang miteinander nicht. Mitten im Gedränge war immer noch Zeit für ein "Scusi, Sorry, Tschuldigung". Ich bin wirklich dankbar "für alles Frohe, Helle und für die Musik". Und ich bin auch all denen dankbar, die unser Blog verfolgt und mitdiskutiert haben. Das viele Lob war übrigens wie eine Vitaminspritze und hat enorm motiviert!
Und auch das ist eine Erfahrung
meiner katholischen Kindheit: Dankbarkeit kann man nicht nur singen, sondern auch entzünden. Die christliche
"Wachsbotschaft" kann Fürbitte oder auch Dank ausdrücken. Darum habe ich
gestern vor den Toren des Marienfelds extra noch eine Benedikt-Kerze gekauft. Damit hier in unserem Weblog auch mal
der aktuelle Papst (er)scheint.

Zwischen all den vielen, bunten Eindrücken und den Begegnungen ist leider eins zu kurz gekommen: Das intensivere, längere Gespräch mit den Pilgern. Denn ganz verstanden habe ich euch immer noch nicht. Ja, zeitweise fühlte ich mich wie in einer Zeitmaschine im Rückwärtsgang: Viele von euch kämpfen für das, wogegen die Generation eurer Eltern und Großeltern rebelliert hat! Zum Beispiel für ein Verbot von Kondomen. Ich persönlich glaube nicht, dass die "christliche Treue" die Antwort auf das Problem von Millionen HIV-Infizierten weltweit ist. Ich wünsche mir Veränderungen in der katholischen Kirche: Es wär doch schon ein Fortschritt, wenn bei einem Weltjugendtag, an dem auch viele nicht-katholische christliche Gruppen teilnehmen, alle die Kommunion empfangen. Toll fände ich auch, wenn eine verheiratete katholische Priesterin ein Schwulen- oder Lesbenpaar trauen könnte. Ob ich das noch erlebe, weiß ich allerdings nicht. Aber ich will die Hoffnung nicht aufgeben. Ich werde die Kerze noch was brennen lassen…
Nach allen Befragungen auf dem Marienfeld (für irgendwas musste man die lange Wartezeit und die grosse Zahl von Pilgern ja nutzen ;) ) zu urteilen, wären die meisten Jugendlichen DAMIT sogar einverstanden:
"Es wär doch schon ein Fortschritt, wenn bei einem Weltjugendtag, an dem auch viele nicht-katholische christliche Gruppen teilnehmen, alle die Kommunion empfangen."
Das fände auch ICH in Ordnung. Mit Frauen als kath. Priesterinnen, sogar bis hin zur Päpstin hätte ich kein Problem. Sie sollen aber nicht unbedingt Homosexuelle trauen müssen. (; DAS wiederum sahen die meisten der anwesenden jungen Gläubigen auch so. :)
Magnus am 22.08.05 12:33
Vielen Dank für die obige "repräsentative" Untersuchung! Ich wage es, eine abweichende Meinung zu äußern: Alle lesbischen und schwulen Paare, die Wert darauf legen, sollten ebenso wie heterosexuelle Paare das Recht haben, sich kirchlich trauen zu lassen. Homophobie verträgt sich weder mit den Botschaften unseres christlichen Gottes noch mit Artikel 3 unserer Verfassung. Da liegt bis zur völligen Gleichstellung in Kirche und Staat noche ein weiter Weg vor uns.
Was ich aber eigentlich sagen wollte: Liebe BloggerInnen, es hat einen Riesenspaß mit euch gemacht! Ich muss es euch noch mal ins Blog schreiben! Denn ich bin ganz gerührt von euren Dankesworten an uns KommentatorInnen...
Bis demnäxt und jetzt: Raus! An die frische Luft!
WJT-Blog-Süchtige am 22.08.05 13:08
Hat Spass gemacht hier die letzten Tage mitzulesen :-) Und damit das Warten bis 2008 nicht zu lang wird könnt ihr ja 2007 von hier bloggen [url]http://www.kirchentag.de/index.php?id=638&no_cache=1[/url]
liegt ja wieder quasi vor der Haustür ;-)
Birgit am 22.08.05 13:10
Hi Sabine,
Sie schreiben: "Toll fände ich auch, wenn eine verheiratete katholische Priesterin ein Schwulen- oder Lesbenpaar trauen könnte."
Vielleicht wäre das wirklich toll, aber wäre es noch katholisch? Ich denke nein!
Soviel von einem Nicht-Katholiken, der gerade die stringente Konsequenz Benedikt XVI. bewundernswert findet.
Mario Scheuermann am 22.08.05 13:27
Es ist Vollbracht. Nach dem WJT ist immer vor dem WJT.
Danke für die inneren Eindrücke. Eine Frage hab' ich dennoch. Die Schrittfolge bei dem "Tanz der Jugend" im Kreis, ist das ein Teil des catalanischen Sardana ? Traditionspflege ? Konservatimismus ?
Wolli Wutz am 22.08.05 13:51
Mehr zum Thema Lesben und Schwule in der Kirche / beim WJT gibt es hier:
http://typo3.lsvd.de/332.0.html?&no_cache=1&tx_ttnews[tt_news]=961&tx_ttnews[backPid]=221
und hier:
http://www.huk.org/index_d.htm
Erbauliche Lektüre wünscht die
WJT-Blog-Süchtige am 22.08.05 13:58
Schließe mich der Einschätzung von Mario an. All das gibt's in anderen Denominationen bereits: und gehen die Leute deswegen mehr in die Kirche? Nein. Und geht es denn nicht darum, dass die Leute an Jesus Christus glauben - wie auch Benedikt in seiner strikt auf Glaubensthemen fokussierenden Predigt in der Abschlussmesse gezeigt hat?
Mehr zur Frauenordination übrigens im meinem Blog:
http://lumendelumine.blogspot.com/2005/04/frauenordination.html
Petra am 22.08.05 14:26
Der Artikel 3 unserer Verfassung verlangt keine "völlige Gleichstellung" in der Kirche (das kann er gar nicht, denn Grundrechte verpflichten grundsätzlich nur den Staat). Gerade die Trennung von Kirche und Staat garantiert, dass eine Religionsgemeinschaft keine staatliche Aufsicht fürchten muss und ihre Angelegenheiten selbständig ordnen und verwalten kann. Sie muss dies allerdings in den Schranken des für alle geltenden Gesetzes tun.
Eisbär am 22.08.05 15:06
@Eisbär
Ich hatte ja auch geschrieben "völlige Gleichstellung in Kirche und Staat". Der Artikel 3 bezieht sich auf den Staat, die Botschaften des christlichen Gottes auf die Kirche! Ich fände übrigens die völlige Trennung von Kirche und Staat sehr gut! Faktisch haben wir die leider nicht. Der Staat zieht für die Kirche Steuern ein und die Kirche erhält darüber hinaus vom Staat weitere zahlreiche finanzielle Vergünstigungen. Könnte meinetwegen alles abgeschafft werden. Dann hätten wir das endlich sauber getrennt und der Glaube wäre tatsächlich nur noch die Sache jedeS EinzelneN.
WJT-Blog-Süchtige am 22.08.05 15:23
"Alle lesbischen und schwulen Paare, die Wert darauf legen, sollten ebenso wie heterosexuelle Paare das Recht haben, sich kirchlich trauen zu lassen. Homophobie verträgt sich weder mit den Botschaften unseres christlichen Gottes noch mit Artikel 3 unserer Verfassung."
Sie benutzen die Verfassung um eine Kirchliche Trauung für gleichgeschlechtliche Paare zu fordern, verkennen aber, dass der Staat allenfalls über die Ausgestaltung einer zivilen Trauung Einfluss hat. Aber auch hier werden ihm Grenzen durch den Artikel 6 gesetzt, welcher die Ehe unter den besonderen Schutz des GG stellt.
Finanzielle Vergünstigungen kriegen nicht nur die Kirchen, sondern auch der normale Bürger und Unternehmen. Im unterschied zu diesen, leisten die Kirchen oftmals die Sozialen Funktionen, welche eigentlich dem Staat als Verpflichtung auferlegt worden sind.
Ein weiteres Stichwort in der Sache Geld ist der Reichsdeputationshauptschluss.
Eisbär am 22.08.05 15:39
@Eisbär
Ein letztes Mal: Ich bezog den Art.3 auf die Situation im STAAT und die Botschaften des christlichen Gottes auf die Situation in der KIRCHE! Ich meinte nicht, dass der Staat ein Zugriffsrecht auf die Kirche haben soll. Die Kirche hat ihre eigenen Arbeitsgrundlagen ("die Botschaften des christlichen Gottes"). Umgekehrt sollte die Kirche auch nicht auf den Staat zurückgreifen, um ihre Gelder einzutreiben etc.
Danke
WJT-Blog-Süchtige am 22.08.05 15:49
Danke, dass Sie es auf den Punkt bringen: Sie verstehen die Jugendlichen nicht, die andere Wertvorstellungen haben als, die Sie meinen, dass sie sie haben sollten. So ein Pech aber auch! Nein, die überwältigende Mehrheit dieser Jugendlichen hat nichts am Hut mit den Themen, die Sie und Ihre Kollegen permanent meinten, ihnen aufobtroyieren zu müssen. Versuchen Sie doch mal einfach zu glauben, dass es Jugendliche gibt, denen ihr Glaube wichtig und der Papst gluabhaft ist... auch wenn's schwer fällt; Jugenliche, die genau das nicht wollen, was eine Generation älter meint, dass sie wollen sollen: dass nämlich die Kirche ihr Profil aufgibt, ihre Forderungen und ihre Ideale, die ihr diese Kraft geben. Ich habe gestern den Kommentar vom WDR abgeschaltet und mir das unkommentierte FS-Signal reingeholt!
Manuelita am 22.08.05 15:52
Dann haben Sie sich falsch ausgedrückt.
Eisbär am 22.08.05 15:53
@Manuelita
Es gibt Frauen, die Priesterin werden wollen. Es gibt Lesben und Schwule, die sich kirchlich trauen lassen wollen. Es gibt ProtestantInnen, die eine Glaubensgemeinschaft mit den KatholikInnen leben wollen. Was sagen Sie denen?
WJT-Blog-Süchtige am 22.08.05 15:59
"Umgekehrt sollte die Kirche auch nicht auf den Staat zurückgreifen, um ihre Gelder einzutreiben etc."
Denken Sie, dass der Staat das Umsonst macht?
Eisbär am 22.08.05 15:59
Hallo WJT-Süchtige,
Sie haben mich zwar nicht angesprochen, aber ich will eine Antwort versuchen: Das einzige, was Sie diesen Personen aus katholischer Sicht sagen können ist: kehrt um! Die Kirche - weder diese noch eine andere - ist kein Selbstbedienungsladen und die Heilige Eucharistie keine Je-Ka-Mi-Abend. Frauen können doch Priesterinnen werden, halt nur keine katholischen. Es gibt genügend Riten, nach denen sich Schwule und Lesben trauen lassen können. Ein Papst ist aber nunmal kein Zettel, der gleichzeitig Priamus und Thisbe und am liebsten den Löwen auch noch spielen will. Benedikt XVI. konzentriert sich auf den spirituellen Kern der Lehre und das macht ihn stark auch für Menschen wie mich, die die meisten dieser Glaubengrundsätze garnicht teilen. Ich kann aber die Kraft spüren, die davon ausgeht.
Mario Scheuermann am 22.08.05 16:40
"Es gibt Frauen, die Priesterin werden wollen. Es gibt Lesben und Schwule, die sich kirchlich trauen lassen wollen. Es gibt ProtestantInnen, die eine Glaubensgemeinschaft mit den KatholikInnen leben wollen. Was sagen Sie denen?"
Das dies in der Katholischen Kirche nicht möglich ist. Ob sich das eine oder andere ändern wird, werden die nächsten 2000 Jahre zeigen.
Eisbär am 22.08.05 16:46
Dazu vielleicht noch ein paar Sätze von Reimund Neuss aus der Kölnischen Rundschau von heute:
"Kaum ein Ereignis dieses Weltjugendtages war so anrührend wie der Schluss der Vigilfeier: das Niederknien des Papstes vor der Hostie, in der - wie er bei seiner Begrüßung in Köln so schön gesagt hatte - "die Augen des Glaubens die reale Gegenwart des Erlösers der Welt erkennen".
Am Ende der Vigil stand das demütige Schweigen des Papstes. Das war die Konsequenz seiner rationalen Darlegung der Grenzen menschlicher Verfügungsmacht: Wir können uns nicht selbst erlösen. Diese Einsicht hat ihrerseits Folgen. Der Papst ist kein Supermann, der einfach entscheiden könnte, was von ihm gefordert wird - vom Frauenpriestertum bis zur gemeinsamen Eucharistiefeier mit den Protestanten. Über die Gegenwart des Erlösers kann er nicht verfügen. Das mag die ungewöhnliche Art erklären, in der Teilnehmer, die "nicht in voller Gemeinschaft" mit der katholischen Kirche stehen, von der Kommunion förmlich ausgeladen wurden. Ob diese Aktion wirklich unvermeidbar war, darüber lässt sich streiten.
Denn wer wie der Papst rational argumentiert, macht sich kritisierbar. Das unterscheidet die katholische Kirche grundlegend und wohltuend von einer Sekte, deren Lehre und deren Lehrer sich jeder Kritik entziehen. Weltjugendtag und Papstbesuch waren eine Einladung zum Gespräch. Unserem Land täte es gut, wenn sie möglichst oft angenommen würde."
Es geht heute darum einen Dilaog zwischen den Religionen auf gleicher Augenhöhe zu beginnen, nicht darum sich mit Versatzstücken aus unterschiedlichen Religionen eine bequeme Privatreligion zurecht zu basteln.
Mir hat ein Satz aus der Synagogenfeier besonders gut gefallen: Versucht ihr gute Christen zu sein und lasst uns gute Jugend sein. Damit wäre schon viel gewonnen.
Mario Scheuermann am 22.08.05 17:00
Upps!
Das war ein echter Freud´scher Vertipper. Sollte natürlich heissen: Versucht ihr gute Christen zu sein und lasst uns gute Juden sein.
Peinlich, peinlich...
Mario Scheuermann am 22.08.05 17:21
ich möchte euch, liebe blogger, herzlich danken!
wir waren die woche über auf dem wjt und so konnte ich erst heute all eure blog-einträge lesen. sie waren eine schöne möglichkeit nochmal diese gigantische veranstaltung revue passieren zu lassen! der wjt in köln und umgebung war echt ne tolle sache, euer blog hierzu nicht minder gut.
vielen dank für die intensive berichterstattung.
schöne grüße
armin
armin am 22.08.05 20:26
durch einen link im SPIEGEL-forum bin ich auf diesen blog gestoßen. schade, dass ich ihn nicht bereits früher. weit erbaulicher als die streitereien in jenem forum.
die grundlage einer christlichen religion ist die bibel. so sollte es jedenfalls sein. viele regeln, auf die sich der katholizismus stützt u.a. zölibat oder beichte sind nicht biblisch begründet. auch über verhütung steht dort nichts. es sind bei genauerer betrachtung machtinstrumente. sowohl meine frau als auch deren familie sind katholiken, die sogar regelmäßig in die kirche gehen oder gingen. denn erstaunlicherweise sind viele katholiken kaum mit dem inhalt jenes buches vertraut, auf welches sich angeblich ihre religion stützt. nachdem ich meiner frau riet, die bibel zu lesen und sie dies tat, hatte sich für sie das katholizismus erledigt.
interessanterweise greifen kritiker in den medien die katholiken in den punkten an, in denen sie sich an die bibel halten. zu den themen vorehelicher geschlechtsverkehr und homosexualität gibt es auch im "neuen testament" an mehreren stellen ganz klare aussagen. menschen, die derlei praktizieren, werden laut paulus das königreich gottes nicht ererben. warum sollten diese dann auch noch den segen der kirche erhalten? auch zum thema frauenordination bzw. die stellung der frau in der gemeinde hat sich paulus mehrfach geäußert.
das ist das dilemma der katholiken: einerseits vertreten sie selbst gebastelte dogmen und andererseits halten sie an dingen fest, die biblisch begründet sind, aber in heutiger zeit anachronistisch wirken. doch viele jugendliche sehnen sich nach stabilität und regeln die diese vermitteln. und so gesehen ist der katholizismus eine der letzten bastionen, die in zeiten der beliebigkeit und inkonsequenz halt vermittelt. auch, wenn dies meines erachtens nach den preis nicht wert ist.
obwohl ich nur die berichterstattung über den wjt nur per online-medien verfolgte, erfasste mich doch eine große begeisterung über die vielen menschen und den geist, der sie antrieb und sie manche entbehrungen auf sich nehmen ließ. ja, auch als kirchenkritischer mensch, wäre ich gern mit ihnen zusammengewesen.
uwe gundermann am 23.08.05 03:32
"die grundlage einer christlichen religion ist die bibel. so sollte es jedenfalls sein. viele regeln, auf die sich der katholizismus stützt u.a. zölibat oder beichte sind nicht biblisch begründet."
Nein, die Grundlage ist Jesus Christus und der hat weder ein Buch geschrieben, noch dazu aufgerufen. Das Christentum kann sich deshalb nicht allein auf die Bibel gründen. Die ersten Jahrhunderte sind die Christen auch ohne Bibel ausgekommen, weil sie die apostolische Tradition hatten. Genau genommen ist also die Bibel ein Produkt der apostolischen Tradition, deshalb stützt sich der katholische Glaube auf beides - Bibel und Tradition und man kann die Bibel auch nur im Lichte der Tradition interpretieren. Das Christentum ist keine Buchreligion, wie etwa der Islam.
Zölibat und Beichte sind sehr wohl biblisch begründbar. Man bedenke, dass die Apostel alles (!) verlassen haben, sie haben also zölibatär gelebt. Da Bischöfe und Priester Nachfolger der Apostel sind, liegt das zölibatäre Leben nahe, auch wenn es kein Dogma ist. Zur Beichte: Jesus sagt zu seinen Aposteln, dass denjenigen die Sünden vergeben werden, denen sie sie vergeben - diese apostolische Vollmacht zur Sündenvergebung wird in der Beichte verwirklicht.
Manche Kritik wundert mich wirklich. Man kann auch kritisieren, nur um des Kritisierens willen. Hinterfragen tut die Kritik kaum jemand, sie wird meist kritiklos übernommen.
Daquino am 23.08.05 10:17
Auch wenn das Christentum als Ganzes zu den abrahamitischen Religionen zählt (neben Judentum und Islam) ist es nicht primär eine Religion des Buches, sondern die Religion des Neuen Bundes und damit der Erlösung durch Jesus Christus. Ich kann nur jedem, der dies verstehen will, empfehlen die Sonntagspredigt Benedikt XVI. über die Eucharistie zu lesen und zwar egal ob man diese Interpretation bzw. dieses Glauben teilt.
Mario Scheuermann am 23.08.05 11:40
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Zum SeitenanfangAls ich heute morgen auf das Marienfeld kam, war es eine Millionenstadt, als ich es verließ, ein Dorf - zumindest was die Einwohner-Zahl betrifft. Da, wo Stunden zuvor noch unzählige Menschen beteten und sich betteten, wurde es immer leerer. Nach einer letzten Diensthandlung vor dem Marienfeld - morgen dazu mehr - bin ich aufs Rad gestiegen.

Auf meinem Heimweg bin ich zur langsamen "Pilger-Entwöhnung" noch an Tausenden vollbepackten Menschen vorbeigefahren. Mit meinem Fahrrad wäre ich eigentlich relativ schnell an mein Ziel gekommen, wenn ich mich nicht granatenmäßig verfahren hätte. Als mir ein Habbelrather (das ist das kleine Örtchen neben Frechen) den richtigen Weg erklärte, schmachteten zwei junge WJT-Besucherinnen: "Ach, jetzt ein Fahrrad, das wär toll." Noch toller war, dass ich gar nicht die ganze Strecke mit dem Rad fahren musste, sondern einen privaten "Shuttle-Service" hatte.

Jetzt erst mal schlafen. Morgen gibt es dann meine WJT-Bilanz.
Gute N8!
Nach den 6 Tagen WYD haben wir uns alle eine Mütze voll Schlaf verdient.
cliff am 21.08.05 21:02
Hurra, Hurra, der WJT 2005 ist aus!
Bald komme Ich heim nach Köln - direkt von der Games Convention 2005.
Gruß
Nameless
Nameless am 21.08.05 21:14
An die 3 Blogger vielen lieben Dank für diese tolle Berichterstattung.
Leider hab ich das Weblog gestern erst gefunden, habe dann alle Berichte hintereinander verschlungen und bis eben sehnsüchtig auf jeden neuen Beitrag gewartet.
Ich war jeden Tag mitten drin im Geschehen, arbeite direkt in der Nähe vom Dom und hab mich das ein oder andere Mal über die vollen Bahnen und das Gedrängel geärgert.
Auf der anderen Seite hat mich die gute Stimmung der Pilger angesteckt und als ich dann auch noch das Glück hatte, den heiligen Vater aus nächster Nähe zu sehen (und er mich auch) ist die Euphorie auf mich übergesprungen.
Jetzt finde ich es schon fast schade, das die WJT vorbei sind, aber alles hat irgendwann ein Ende und kein Mensch kann immer weiter singen, tanzen und jubeln.
Danke an Euch, Danke an die Pilger, die diese Woche zu einem unvergeßlichen Erlebniss haben werden lassen, Danke an alle Helfer und Danke Benedikt XVI., Du hast mir den Glauben wieder an ganzes Stück näher gebracht und ich bin stolz, das wir Papst sind.
Ich hoffe die Pilger müssen sich nicht mehr allzu lange mit vollen Bahnen und Bussen rumplagen und kommen gut wieder nach Hause.
Und unseren drei Bloggern wünsche ich eine gesegnete Nachtruhe. Schlaft Euch aus, Ihr habt es Euch verdient! Ich freue mich schon auf Eure WJT-Bilanz.
Liebe Grüße,
Esther
Esther J. am 21.08.05 21:42
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Zum SeitenanfangIrgendwann machen Akku und Ersatzakku schlapp. Darum bin ich nun im Pressezelt, wo es kostbare Steckdosen gibt. Cliff Richard hat eben tapfer seine ganzen Welthits gesungen. Darunter auch "lucky lips", den letzten Refrain auf deutsch: "Rote Lippen muss man küssen". Keine Sorge, der Auftritt des Weltstars passt zum Weltjugendtag: Immer wieder sagt er, wie toll er es findet, "to be here in cologne, öh, or, near cologne", zusammen mit all den Jugendlichen und dem Papst. Der Adel der reifen Popmusik, Sir Cliff, hat wahrscheinlich in seiner langen Karriere schon begeistertere Zuhörer gehabt. Verständnisvoll sagte er, "ihr seid ja alle schon fünf Tage da". Ja, und müde sind sie. Die meisten zumindest.

Cliff Richard in echt: Der in der Mitte im weißen Anzug

Cliff Richard auf der Leinwand: Links neben dem WJT-Logo
Cliff Richard beim WYD? Sachen gibtz tzzz prust
Cliff am 21.08.05 16:55
Its a shame it isnt broadcasted on TV I can tel you thousends of Cliff fans like to see a bit from this and we all waiting for it.
Ich habe den ganze tag fernsehen gesehen nur zum sehen wenig von Cliff Richard, nicht eben ein seconde
haben wir gesehen that tut me seht viel leid.
ria simonis am 21.08.05 20:53
Wenn das Photo echt ist dann....glaub ich, da ist was schiefgelaufen! Wo sind die Zuschauer? Warum wurde dieses Konzert nicht für Donnerstag oder Freitag programmiert? Es war doch vorhersehbar, dass nach diesem intensiven Wochenende mit Vigil und Sonntagsmesse mit dem Papst, die Jugendlichen übermüdet waren und nur nach Hause wollten. Ich finde es sehr traurig für die Artisten die eingeladen waren, sei es nun Sir Cliff Richard, Patrick Nuo oder andere, die haben dies echt nicht verdient.
Liliane A. am 21.08.05 22:22
I full agree with you Liliane
we did see enough from other stuff in repeating why not put new stuff on it
Ria
ria simonis am 21.08.05 22:38
Sorry I can't speak German but back in the UK we were all waiting to see Cliff perform at this very special event and we didn't get a broadcast here. If it's true that most of the crowd had gone home what a disappointment it must have been for Cliff...a man with a very strong faith....and one who loves to perform to a crowd. There are many people in the UK who would have loved to have seen him perform at this event. I know that he would give of his best and he would have very pleased to be there. How sad if the crowd had gone home. He's not only a great singer but a man who lives a good Christian life and sets a fine example for young people to follow. They don't know what they were missing.
Christine Griffiths am 21.08.05 22:38
indeed a shame that the concert with Sir Cliff Richard was not broadcasted. he is the most famous christian !!!please programme such an even the next time earlier , now every body was leaving .
lydia sleegers am 22.08.05 12:34
Es tut mir für die Künstler leid, die auftreten mussten, als die Hauptveranstaltung mit dem Papst zu Ende war und alle nur noch weg wollten, was essen, schlafen, ein heißes Bad nehmen und nach Stunden in der Kälte wieder Wärme genießen. Und es lag noch ein beschwerlicher Weg vor ihnen. Man hätte das anders organisieren können.
I felt sorry for the artists who were only on after the main event with the Pope was finished - and everybody longed to be back at home to eat something, take a hot bath and sleep.
It should have been organized differently.
Uschi Arndt am 23.08.05 10:19
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Zum SeitenanfangDieser Weltjugendtag erschien für nicht-Eingeweihte wie eine Weltmeisterschaft im Fahnenschwenken. Die bunten Flaggen signalisieren nicht nur die Herkunft, sondern dienen auch der Orientierung einer Gruppe: Hier geht's lang. Ob hier Brüder und Schwestern des Ordens der heiligen Erdbeere unterwegs sind?

Hallo - wie läuft es denn so insgesamt - haben überhaupt alle eine Chance rechtzeitig bei den Bussen zu sein, die ja - so zumindest die Busse unserer Gruppen - um 18 Uhr los fahren sollen?
Gruß
Elisabeth Wiengarten
Elisabeth Wiengarten am 21.08.05 16:16
Liebe Elisabeth,
ich weiß selber noch nicht, wie ich hier vom Marienfeld wegkomme. Ich drücke dir aber die Daumen, dass ihr noch euren Bus bekommt. Gute Heimreise wünscht
Sabine
Sabine Tenta am 21.08.05 16:36
Hallo Sabine,
ich bin nicht auf dem Marienfeld, sondern sitze zu Hause und warte auf meine Kinder.
Bin gespannt was sie erzählen.
Alles Gute für dich.
Elisabeth
Elisabeth Wiengarten am 21.08.05 16:39
Muss mich jetzt verabschieden. Sabine, vergiss nie: Du hast es auf die "Pool-Tribüne" geschafft (Mist, wie verlinke ich jetzt deinen Eintrag "jetzt darf ich endlich"? Gebt mir ein Password!)! Ääh - und sag mal einer dem wol-f Bescheid: Is jetzt gut mit Abzappeln zu Cliff Richard. Also, Kinners, ich fahr jetzt den PC runter.
WJT-Blog-Süchtige am 21.08.05 16:40
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Zum SeitenanfangGerade kommt die Durchsage, dass der Bahnhof Horrem total überlastet sei. Dann die dringliche Bitte hier, auf dem Marienfeld zu bleiben. Der Köder: Cliff Richard. Keine Coverband, sondern wirklich SIR CLIFF RICHARD! He, ist das nix? Die Massen ziehen weiter. Oder sind die Pilger zu jung, um Cliff Richard zu kennen?
ich hätte mich doch auf den weg machen sollen ...
nun mal auf wdr5 wjt-radio cliff zuhöre und die alten LPs rauskrame ...
wol-f am 21.08.05 15:11
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Zum SeitenanfangEs gibt tolle, wichtige Journalisten. Die sind "Pool-akkreditiert". Und es gibt Blogger, die vergebens versuchen, in die heiligen Bereiche vorzustoßen, um dem Papst ganz nah zu sein. Ich bin genauso wie
Marcus daran gescheitert, näher vorzudringen. Aber jetzt, nachdem Beni-Superstar weg ist, darf ich es endlich: Auf der Pressetribüne Platz nehmen. Das Sicherheitsrisiko ist jetzt ja auch überschaubar.

Immer wieder gibt es Durchsagen, doch bitte noch auf dem Marienfeld zu bleiben. Tor 1 sei jetzt ganz geschlossen. Kein Wunder, von dort ist wohl der Weg zu den Bussen und Bahnen besonders günstig. Irgendwo im Gewühle von Tor 1 wartet auch mein Fahrrad auf mich.

Lange Zeit tröpfelte so komisch unaufdringliche Musik (bekannt aus jedem Aufzug, der was auf sich hält) durch die Lautsprecher. Aber nun hat das Musikfest begonnen, dass die Pilger auf dem Marienfeld halten soll. Die Bundeswehr-Bigband spielt. Die Massen gehen.
die BUNDESWEHR-BigBand???? Wie bitte? Spielen die zum Kreuzzug auf? Oder waren die schön günstig, weil sie in Personalunion Sicherheitskräfte und MusikerInnen verpflichten konnten????
Ich bleib hier dran! Das Beste scheint noch zu kommen...
WJT-Blog-Süchtige am 21.08.05 14:39
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Inmitten all der berucksackten Pilger finden sich vereinzelt auch Kofferträger. Auf einer verschlammten Wiese sind sie jetzt eindeutig im Nachteil, aber ich bin sicher, sobald wieder Asphalt unter seinen Füßen ist, werden diesen Reisenden neidische Blicke begleiten.
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Cordula Klaus, Bettina Gruska, Frank Klaus (v.l.)
In aller Welt warten nun bestimmt Eltern auf die Heimkehr ihrer Kinder und sind gespannt auf deren Berichte. Cordula und Frank Klaus verlassen sich nicht auf Auskünfte aus zweiter Hand. Die Eltern von Fabian sind heute früh um drei Uhr in Thüringen, genauer im Eichsfeld, aufgebrochen, um selbst dabei zu sein. Fabian ist "irgendwo dahinten" - Frank Klaus zeigt weit übers Marienfeld. Seit einer Woche ist der 19-jährige Fabian mit seiner Gruppe in Köln und wird auch mit ihr zurückfahren. Ihn hier zu treffen, diese Hoffnung hatten die Eltern auch gar nicht. "Also, wenn er hier irgendwas verliert oder vergisst, das glaub ich ihm sofort", sagt Cordula Klaus. Sehr verständnisvoll von ihr.
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Ja, Stefan, die Pilger verlassen das Feld vor dem Schlusspfiff, und sie haben pfiffige Strategien entwickelt, trotz des Gewusels zusammen zu bleiben. Am besten für abreisende Gruppen scheint die Pilger-Polonäse zu sein. Eine lange Schlange, jeder fasst an die Schulter oder den Rucksack oder zumindest einen Rucksackzipfel der Vorderperson. Hauptsache zusammenbleiben! Denn was soll der Spanier in Polen und die Französin in Italien. Da fahren sie gewiss auch gerne mal hin, aber jetzt wollen alle nur noch eins: nach Hause.
Bevor sich hier jetzt langsam alles auflöst, auch von meiner Seite ein herzliches "Dankeschön!" an euch drei! Gönnt mir eine langsame Entwöhnung. Nur noch, ein, zwei Einträge...BITTE!!!
WJT-Blog-Süchtige am 21.08.05 13:29
Auch von mir vielen herzlichen Dank an die 3 mitpilgernden Autoren!!!Fand Eure Kommentare+ Bilder interessanter als TV.Stattdessen dazu das ebenfalls ausgezeichnete WDR-WJT-Radio.Keine Lobhudelei sondern distanzierte Berichterstattung.Und schliesslich natürlich meine eigenen Eindrücke beim Durchstreifen der Stadt.Die Fröhlichkeit der Pilger auf den Strassen u. Plätzen, die Betroffenheit und Nachdenklichkeit der Menschen beim Treffpunkt der Taizé-Gemeinschaft in St. Agnes, die Stille bei der Anbetung in St. Severin und und und...
Gerhard W am 21.08.05 13:46
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Zum SeitenanfangAls ich heute morgen auf dem Marienfeld ankam erschrak ich erst mal, als ich das sah:

Schnee auf dem Marienfeld? Nein, es ist eine Plane, die zur Befestigung unter den Schotter gelegt wurde.

Schuhe aus im Wohnzimmer! Diese Aufforderung ist zwar verständlich...

... aber leider nicht zu befolgen.
Es gibt viele Möglichkeiten, an der Messe teilzunehmen. Schlafend, dösend, aufrecht stehend, mit Blick auf den "bewölkten" Himmel, direkt, wo Benedikt die Messe zelebriert, oder mit Blick auf eine der vielen Großbildleinwände. Es gibt auch einige Logenplätze:

Vom Bereich A kann ich mit einem Tele sogar den Papst so fotografieren, dass man ihn fast erkennen kann:

Zum SeitenanfangAls Kardinal Meisner die
Riesenkerze für den WJT in die Gemeinde "Maria in der Kupfergasse" brachte, ermahnte er den Küster, auch ja darauf zu achten, dass die Kerze immer brennt. Wenn sie nicht reicht, dann solle er Bescheid sagen und er würde eine neue Kerze stiften. Und so sieht es heute neben der "Schwarzen Madonna" aus:

Viel runter gegangen ist da ja nicht. Oder ist es schon die zweite oder gar dritte Kerze? Die Dame am Devotionalienstand weiß Bescheid: Es ist immer noch die erste. Nachsichtig lächelnd erklärt sie: "Ja, ja, der Herr Kardinal hat das gesagt, aber wissen Sie, das dauert ja ewig, bis so eine Kerze runterbrennt. Das ist wie bei einer Osterkerze."
Zum SeitenanfangLiebe Pilger, nun haben wir euch so oft
gelobt, dass ihr so
sauber seid. Und dann muss ich auf dem Roncalli-Platz das sehen:

Auch wenn die Werbung von "L'osservatore Romano" sich fast tarnfarben auf dem Pflaster des Roncalli-Platzes versteckt, ist das doch kein Grund, den Papst mit Füßen zu treten.
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Von den Schneekugeln wären noch reichlich da. Denn darauf kann man nicht sitzen, sie schützen nicht gegen Regen und man kann keinen Schlüssel dran hängen. Noch nicht mal das Marienfeld kann man damit erleuchten. Darum sind sie, im Gegensatz zu den anderen offiziellen WJT-Devotionalien (Hocker, Regenschirme, Schlüsselbändern), auch nicht ausverkauft. An den Info-Points rund um den Dom sind aber heute, im Gegensatz zu den letzten Tagen, Informationen die weitaus heißer gehandelte Ware. Die entscheidende Frage auch jetzt, zweieinhalb Stunden vor der Vigil mit dem Papst: Wie komme ich zum Marienfeld?
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Ein typisches Bild der letzten Tage: Polizisten erklären Pilgern den Weg, helfen weiter. Eben überquerte eine mit drei Rucksäcken bepackte junge Frau bei Rot die Straße. Ausgerechnet ein Polizeiwagen hielt für sie an. Die Beamtin hinterm Steuer grinste die Pilgerin nur knuffig an und sagte freundlich: "Das nächste mal aber besser aufpassen."
Hoffentlich bleibt uns dieses Weltjugendtags-Feeling, der unverkrampft-lockere Umgang miteinander, noch lange in Köln erhalten.
Zum SeitenanfangSoll es jetzt etwa wieder still werden in Köln, wenn alle Pilger weg sind? Halt, einige ziehen immer noch singend durch die Stadt.

Diese Gruppe aus Bayern bereichert die "Beni-Charts" mit gesungenen Gemeinsamkeiten zwischen ihnen und dem Papst:
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Heute Morgen war der Hauptbahnhof noch zeitweilig gesperrt. Und jetzt? Alles entspannt. Wie an einem ganz normalen Samstag. Gleis 6 und 7, wo die Sonderzüge zum Marienfeld abfahren, sind fast leer. Gemütlich und ohne Gedrängel können die Jugendlichen in die Sonderzüge einsteigen.

Zum SeitenanfangNicht, dass ich plötzlich pilgerscheu geworden wäre und nur noch
leere Plätze in Köln fotografieren möchte. Die Verkehrsinfos der Stadt Köln besagten, dass es am Shuttlebusbahnhof an der Kölnarena in Deutz völlig überlaufen sei. Mit dem schnellsten und verlässlichsten Verkehrsmittel, dass es in so einer Situation gibt - mit meinem Fahrrad - bin ich schnell rübergefahren und dann sah es so aus:

Die wartenden Security-Mitarbeiter staunen genauso wie ich. "Eben hat es hier noch total gebrummt und jetzt - sehen Sie ja", sagt ein Busfahrer. Warum der Pilgerstrom so plötzlich, abriss kann er sich nicht erklären. "Aber ich hoffe mal, dass es gleich wieder ordentlich brummt", sagt er lachend. Sein Samstagsonderdienst für Pilger macht ihm richtig Spaß.
Lag die plötzliche Leere daran, dass bereits an den Straßenbahnhaltestellen rund um die Kölnarena in mehreren Sprachen dazu aufgefordert wurde, lieber eine Shuttlebushaltestelle in der Innenstadt anzusteuern?
Durchsage der Kölner Verkehrsbetriebe
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Mein Open-Air-Büro am Rheinufer gehört zu den schönsten mobilen Arbeitsplätzen der letzten Tage. Aber selbst hier, wo kaum was los ist, werde ich angestaunt. Vor allen Dingen dann, wenn ich anfange, mir die Jacke über den Kopf und das Notebook zu werfen, um die Bilder besser bearbeiten zu können (zuviel Licht im falschen Winkel stört da nur). Mein Spontan-Büro erregt immer wieder Aufsehen: Als ich auf der Venloer Straße über das
Dinomobil schrieb, blieb ein Ausländer kopfschüttelnd vor mir stehen: "Tecknik, immer mehr Tecknik!" Auf der Treppe vor der Gemeinde "Christi Auferstehung" wollte ein kleiner Junge von mir wissen: "Spielst du?" Danach spielte er das Tollste, was es an einem heißen Sommertag gibt: Wasserspritzen. Und zwar becherweise. Das machte mich doch etwas nervös.
Sarah und Mia fanden es übrigens "cool", live dabei zu sein, wie sie ins Internet kommen.
Ich bin nun schon sehr gespannt, was
Marcus im Baumarkt machen wird. Vielleicht sein mobiles Büro "marienfeldkompatibel" umbauen?
Zum SeitenanfangLiebe Pilger,
was ich euch seit Tagen schon zeigen wollte, ist das hier:

Denn so sieht es eigentlich am Rheinufer, Höhe Bastei aus. Radfahrer, Jogger, vierbeinige Spaziergänger, die ihren Dosenöffner an der Leine führen, ein paar Möwen. Es ist so ruhig, dass man das sanfte Plätschern des Rheins hören kann. Für uns Kölner ist es ein Naherholungsgebiet. Für euch war es die längste und vollste Wartezone der Stadt. Schließlich war die Bastei der Anfangspunkt für eure Domwallfahrt. Wenn ihr noch mal nach Köln kommt, dann schaut doch wieder hier vorbei. Es ist wirklich schön hier.
die bastei kenn ich seit 50 jahren ... damals mit eltern nach nem harten tag auf der ANUGA vergeblich einlass begehrend - werbetragetaschen unerwünscht -
vor einigen wochen - den weg unterhalb der bastei genau so erlebt, wie von Ihnen beschrieben - mit füßen im rhein geplätschert - an der schulter meiner freundin kathrin ...
danke für Ihre witzige und nachdenkliche berichterstattung ...
wol-f am 20.08.05 15:33
Lieber Wol-f,
vielen Dank für's Lob!
Beste Grüße
Sabine Tenta
Sabine Tenta am 20.08.05 17:03
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Zum SeitenanfangAuch wenn die Chronologie jetzt etwas durcheinander gerät, so möchte doch noch ein Gespräch von heute Nachmittag nachreichen, quasi als Teil zwei von
Papstfestspiele – nachgefragt. Ich war im Friedenspark, wo es für WJT-Teilnehmer Musik und Diskussionen gab. Dort fiel mit eine Gruppe Pilger auf, die mit ihrem Sternenbanner signalisierten, dass ich es mit meinen Fremdsprachen-Kenntnissen diesmal etwas einfacher haben könnte.

Alle trugen diese T-Shirts mit "Benedikt 16" – auch die 17-jährige Christina. Der Papst ein Popstar? Oder besser gesagt, diesmal ein Fußball-Star? Nein, ein "Baseball-Star" sagt Christina lachend. Ich entschuldige mich, dass wir Deutschen bei Sport immer gleich an Fußball denken. Christina findet den Papst "pretty cool". Stimmt sie auch mit seinen Ansichten überein? "Ich habe eine Menge über ihn gehört, aber ich denke, er ist ok." Sie habe viele Bilder von ihm gesehen, wo er so grimmig ausgesehen habe, aber jetzt wirke er doch sehr warmherzig. Zusammen mit ihrer Gruppe aus Texas ist Christina beim Weltjugendtag, weil sie am Austausch mit anderen Kulturen interessiert ist. Der findet an diesem Nachmittag auch statt. Einige deutsche Jugendliche sind mit den Amerikanern im Gespräch. Ich will nicht weiter stören und wünsche Christina noch einen schönen Aufenthalt in Köln. Den wünscht sie mir auch. Vielen Dank, werde ich haben.
wieso stören, man erfährt doch gar nichts über das denken von christina, und es ist doch viel interessanter welcher austausch der kulturen da anstand
werner am 19.08.05 22:53
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Zum SeitenanfangAlso ich weiß ja nicht, an welchem Wetter die Gastronomie mehr Geld verdient: Sonne oder Regen? Ich sitze auf jeden Fall wieder in einem Café. Hätte mich ja auch in den Spielplatz gesetzt, aber da waren schon alle Tische rausgeräumt. Denn gleich werden die Demonstranten des "Freigeisterzugs" erwartet. Der Spielplatz ist quasi der Stützpunkt der "religionsfreien Zone", wo die meisten Veranstaltungen der Atheisten zum WJT stattfinden. Sie sind nämlich auch organisiert. Und widerlegen damit die Aussage des Papstes, dass die "Katholizität den Kölnern tief im Blute liegt" (so sagte er es gestern auf dem Roncalli-Platz). Also in den Freigeistern hier in der Südstadt pulsiert offensichtlich anderes Blut. Angeführt wird ihr Zug vom
"Dinomobil", das seit Tagen durch Köln fährt und sehr
kontrovers diskutiert wird. Hinter dem Gefährt dann zu Fuß rund 150 Menschen. Ziehe ich die circa 20 Kolleginnen und Kollegen mal ab, bleiben noch 130 Demonstranten. In deren Mitte schreitet würdevoll eine Päpstin.

An der Ulrepforte kommt es zu einer Diskussion zwischen Pilgern und Demonstranten. Was sie einander zu sagen hatten, habe ich nicht richtig mitbekommen, weil sie gleich von mehreren Fernsehteams eingekreist waren.

Aber anhand der Gesprächsfetzen kann ich sagen: Blutleer war das gewiss nicht. Nach einem kurzen, hitzigen Schlagabtausch ziehen Pilger und Freigeister wieder ihrer Wege.
Weil einer unserer Aktiven aber dabei war, weiss i c h es. Es wurden schwere Vorwürfe gegen die 110 (es waren wohl nicht mal 130, da es 40 Journalisten, nicht 20 waren) den Papst und die katholische Kirche auf das Heftigste angreifenden "Demonstranten" erhoben, die diese leider nicht entkräften konnten. Im Kern ging es darum (ja, ich versuche es noch harmlos auszudrücken), dass junge Christen ihre religiösen Gefühle durch die "Blasphemie" der Heidenspassler (so ok?) verletzt sahen.
Magnus am 19.08.05 20:45
Mitra, Meßgewand, Stola... und das soll eine "religionsfreie Zone" sein? Blasphemie ist das bestimmt nicht, aber auch nicht so besonders originell. Eine "Päpstin" gab´ss bei einem der früheren Besuch JP II´s ja auch schon. Ob das jetzt wohl dieselbe ist?
Sabs am 19.08.05 22:35
hat jemand was gegen eine frau als pabst oder was.. das sind ja zeiten wie im mittelalter hier, ach übrigens auf dem foto sieht mann ja auch die polizeo oder bgs die wen filmen?... richtig es werden die demonstranten gewesen sein, die habens ja auch verdient ins archiv der staatsfeinde zu gelangen, und zum thema heidenspassler: es scheint ja nur noch um die form und micht um die inhalte der katholischen glaubensgemeinschaft zu gehen: ein deutliches bekenntnis zum antisemitismus hat benedikt ja heute gefordert, wenn er doch nur, wie sein vorgänger, den katholischen antisemitismus dabei erwähnt und eingestanden hätte!
werner am 19.08.05 23:21
>wenn er doch nur, wie sein vorgänger,
>den katholischen antisemitismus dabei
>erwähnt und eingestanden hätte!
Warum? Der Papst ist in erster Linie keine Person sondern ein Amt. JP2 hat - wie du es erwähnt hast - diese Entschuldigungen mit der Bitte um Vergebung schon vorgebracht. Man muß nicht alles ständig wiederholen damit es seine Gültigkeit bewahrt.
Noch was zur Demo:
Eigentlich sollten die "Freigeister" der Kirche dankbar sein, weil sie sonst wahrscheinlich nicht mehr viel hätten, mit dem sie ihren Tag füllen könnten.
Frank am 21.08.05 08:55
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Zum SeitenanfangEben war ich im Spielplatz, aber der ist geräumt, also sitze ich davor. Keine Sorge, ich bin weder in eine regressive Phase abgerutscht und will in den Sandkasten, noch hat mich eine plötzliche Grammatikschwäche befallen. "Im Spielplatz" ist richtig, denn es ist eine Kneipe. Weil gleich ein Demonstrationszug in eben dieser … Mist, jetzt fängt es schon wieder an zu regnen. Gleich mehr.
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Eben war ich zu Besuch bei den "Dauerfreiwilligen". Also bei denen, die JEDEN Tag eine gute Tat tun. Dazu verpflichtet schließlich das Halstuch und die Mitgliedschaft bei den Pfadfindern. In der Kölner Südstadt hat die Deutsche Pfadfinderschaft St. Georg zusammen mit scout missio ein Zeltlager aufgebaut, als Anlaufpunkt und Infopool. "Gestern hat hier der Bär gebrummt", erzählt Stefan Niesner zufrieden. Er betreut das Internetcafé der Pfadfinder, wo auch eifrig unser Weblog gelesen wird. Freut uns natürlich. In Bonn gibt es übrigens auch ein Pfadfinder-Zeltlager. Es ist jedoch von einer Abspaltung der DPSG, der "Katholischen Pfadfinderschaft Europas." Stefan sagt entschieden: "Die sind sehr konservativ, also ich könnte da nicht hinter stehen." Die T-Shirts, die bei der DPSG verkauft werden, schlagen auch einen ganz anderen Ton an: Auf einem steht fett "konkret, krass, katholisch."

Marias Scouts - Katholische Pfadfinderschaft Europas in Bonn
Ach ja, noch was. Mir persönlich gefiel im Zeltlager übrigens "Zelt A" besonders gut:

tentA LOL!! ;-)
wuerstchen am 19.08.05 16:50
Vanitas, vanitas ;-)
WJT-Blog-Süchtige am 19.08.05 16:51
kapier ich nciht, wie tenta
werner am 19.08.05 23:11
@werner: Ihr Nachname, Mann! ;-)
Stefan am 19.08.05 23:39
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Natürlich steht es mir nicht an, mich zur Frisur des Heiligen Vaters zu äußern. Aber nur mal so als Idee, also, falls er heute spontan Lust gehabt hätte, sich eine Tonsur schneiden zu lassen: Gleich ums Eck der Kölner Synagoge, auf der Zülpicher Straße, bietet ein Frisör den Mönchsschnitt mit Resthaarkranz für schlappe fünf Euro an. Das Sonderangebot gilt während des Weltjugendtages und läuft unter dem Motto: "Wir schneiden alles im Namen der Rose." Wenn das kein Service ist für Papst und Pilger! Bislang hat sich übrigens niemand den Schnäppchenschnitt verpassen lassen.
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Gestern jubelten hunderttausende Jugendliche dem Papst zu. Aber was denken sie über ihn? Ich frage eine Gruppe junger Pilgerinnen aus Frankreich und Belgien, die sich auf die Uniwiesen gelümmelt hat. Hätte ich in der Schule mehr Französisch gepaukt, wäre das Gespräch etwas flüssiger gelaufen. Aber auch auf Englisch klappt es ganz gut. Einige übersetzen fleißig hin und her. Hier das Ergebnis des trinationalen Austauschs: Die Stimmung gestern fanden sie super. Aber den Papst haben sie nur ganz klein gesehen (zwei Finger zeigen einen Abstand von fünf Zentimetern), "das war enttäuschend." Was sie über ihn denken? Achselzucken. "Wir kennen ihn doch noch gar nicht!" Klar, die Positionen von Kardinal Ratzinger sind ihnen bekannt ("sehr konservativ"). Sie hoffen, dass er als Papst etwas progressiver ist. Und dass sie ihn näher kennen lernen hier in Köln, denn deshalb seien sie ja gekommen. Vielleicht erfahren sie mehr morgen auf dem Marienfeld.
Es sind nicht die Papstfestspiele, es sind die Jugendfestspiele gläubiger Christen. Der Papst und seine Botschaft ist Nebensächlich. Die Botschaft der Jugend der Welt ist wichtig: Lebensfreude und Friede in einem familieren Kreis. Der Papst ist alt, steif und nahe dem Tod. Die Jugend lebt und genießt ihre Zukunft.
Wolli Wutz am 19.08.05 13:36
@Wolli:
Wenn es tatsächlich ein WeltJUGENDtag wäre, dann hätte der Papst/Vatikan nicht entscheiden können, dass Jugendliche aus Kirchen-Reformbewegungen nicht erwünscht sind. Er will eben KEINEN Dialog mit der Jugend, sondern nur von ihr bejubelt werden.
Ein Skandal! Noch dazu, weil der Vatikan sich nicht einmal an den Kosten für diese Papst-Festspiele beteiligt, wenn ich richtig informiert bin.
WJT-Blog-Süchtige am 19.08.05 14:54
Die blonde Schnitte links ist ja ganz scharf. Blöd nur, kein Sex vor der Ehe und so ein Dreck... :-(
Magellan am 19.08.05 15:03
@ Magellan
Da fühlt frau sich ja gleich wieder voll in ihrem Mensch-sein angenommen - Körper und Geist und so...
Und da sagt man, die Kirche ist frauenfeindlich!
Sabine
Sabs am 19.08.05 15:41
@Sabine
Volltreffer!
...nun, frauenfeindlich, sexistisch und chauvinistisch sind in Wirklichkeit aller Erfahrung nach eher die meisten Atheisten und Antichristen. Ausnahmen bestätigen die Regel.
Magnus am 19.08.05 15:44
Das komische an Kirchenreformbewegungen ist, daß sie sich selbst nicht als Kirche sehen, selbst wenn sie sich so nennen - denn sich selbst scheinen die nicht reformieren zu wollen. Fehler machen eben immer nur die anderen und beichten ist eh doof.
Ralf Bettker am 19.08.05 21:39
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Knapp 30 Menschen sitzen vor der Kirche "Christi Auferstehung" im Kreis und diskutieren miteinander. Der Papst als Popidol – das erfüllt viele in der Runde mit Unbehagen. Marten aus Papenbruck ist der Personenkult für kirchliche Würdenträger suspekt. Er erzählt von den begeisterten "Bibo"-Rufen beim Eröffnungsgottesdienst in Bonn gestern für Bischof Bode. Marten hat übrigens auch Zweifel, dass alle WJT-Besucher fromme Christen sind. "Also bei uns war das so, dass wir mal ne Klassenfahrt nach Köln gemacht haben. Ja und jetzt haben wir uns halt alle zum Weltjugendtag angemeldet und die meisten wollen hier nur feiern. Wenn sich genug Leute anmelden, dann spendiert der Kaplan Freibier, hieß es."

Die 20-jährige Veronika erzählt mit einem bayerisch-rollenden "r" von ihrer WJT-Katechese mit Kardinal Lehmann. Jemand habe nach der Frauenordination gefragt. "Alle haben daraufhin ‚Buh’ gerufen. Das fand ich noch viel schlimmer als die Haltung der Kirche dazu." Später sagt sie mir, sie sei mit einer Gruppe von "Jugend 2000" angereist, ohne genau zu wissen, wer dahinter steckt. Sie erlebt die Gruppe "als fast schon sektenhaft". Bei der Busfahrt von Bayern nach Köln sei jeder einzeln aufgefordert worden, ans Mikrofon zu treten und zu bekennen, warum er zum Weltjugendtag fahre. Für welche Inhalte die Jugend 2000 genau steht, ist Veronika nicht klar, denn das sagten sie nicht so offen. Sie spekuliert: "Da sind so viele junge Frauen mit Kindern, also ich glaube mal, die sind gegen Verhütung." Wichtiger als inhaltliche Diskussionen sei das Gemeinschaftserlebnis: "Bei einem Schlagwort wie ‚Jugend’ oder so, da gehen die ab und klatschen wie wild." Veronika ist das alles nicht geheuer. Den Tipp zu "Wir sind Kirche" zu gehen, hat sie übrigens von ihrer Mutter bekommen. "Hier wird diskutiert, das finde ich gut. Das kenne ich aus Taizé. Denn dass man glaubt, heißt doch nicht, dass man die gleiche Einstellung hat."
Marten und Veronika – das sind zwei Stimmen von 400.000. Ich bin gespannt auf weitere Gespräche beim Weltjugendtag.
Monitor-Beitrag, u.a. zur Gruppe "Jugend 2000"
Worldyouthday for all bietet ein Alternativprogramm zum WJT
Typisch deutsch halt. Unfähig, über den eigenen Tellerrand hinaus zu blicken. WsK halt.
Daquino am 17.08.05 23:10
"Marten hat übrigens auch Zweifel, dass alle WJT-Besucher fromme Christen sind."
Offenbar sind Leute, die gegen den Weltjugendtag geifern, die wirklich frommen Christen. Warum sind sie denn dann nicht in der Agneskirche und beten für Frère Roger?
"Sie spekuliert: 'Da sind so viele junge Frauen mit Kindern, also ich glaube mal, die sind gegen Verhütung.'"
Oh mein Gott. Die von Jugend 2000 nehmen doch tatsächlich die Lehre der Kirche ernst! Oh mein Gott. Furchtbar.
Petra am 17.08.05 23:31
Die Intoleranz, die gegenüber nonkonformistischen Gruppen wie Jugend2000, www.weisse-rose.info oder den Europäischen Pfadfindern an den Tag gelegt wird, ist beängstigend. Petra hat schön ironisch die Hatz auf den nichtpapstfeindlichen Teil der jungen Generation angeprangert. Das sprach mir aus dem Herzen. Ich finde es gut, daß manche Jugendliche die Lehre der Kirche noch ernst nehmen.
Lothar R. am 18.08.05 00:38
Komisch, ich habe kaum jemanden intoleranter reden hören als den 33jährigen Berufsjugendlichen Magnus Becker von der "weissen Rose". Nichts gegen Glaube und meinetwegen auch Konservativismus - aber diese selbsternannte "Jugendgruppe" (in Wahrheit ja eh' nur zwei Hanseln) predigt Chauvinismus und Intoleranz nebst einiger kruder Verschwörungstheorien und unter Verwendung unlauterer Mittel... um es FREUNDLICH auszudrücken.
DemonDeLuxe am 18.08.05 01:50
meine Güte seid doch malalle ein wenig toleranter . Christ sein bedeutet auch tolerant sein. Diese toleranz fehltmir bei der Kirche oft.ie alle Kritik versucht imKeim u ersticken. Nur wer Kritik verträgt und akzeptiert kann wachsen .. Und nicht jede Kritik muss man annehmen, aber sie anzuhören sollte doch möglich sein.
tobias am 18.08.05 08:17
*lol* jetzt kotzt "DemonDeLuxe" (Dominique Toussaint, bekannter Verleumder, gegen den ein Verfahren im Gange sein soll) sogar schon unter Blogbeiträge, zu denen ich mich noch gar nicht geäussert hatte? Tsss. Ich werde zu seinen haltlosen Unterstellungen aber keine Stellung nehmen, da sie gegen die Blogregeln verstossen und von der Blogredaktion sicher entfernt werden. Nur soviel: selten einen Menschen erlebt, der so hasserfüllt ist. Danke vorab für die Einhaltung der Regeln.
Magnus am 18.08.05 11:43
Magnus, wenn Du so erzählst, sind ja angeblich immer irgendwelche "Verfahren im Gange" - komisch, dass die Betroffenen nie etwas davon wissen?
Dein Name wurde von mir genannt, weil Du mit weisse-rose-dot-info nahezu deckungsgleich bist ...
[[[ 21 Worte gelöscht. Bitte halten Sie sich an die Blogregeln. Engagierte Diskussionen sind willkommen, persönliche Angriffe auf Kommentar-Autoren nicht. (wdr.de) ]]]
Wenn Du "Hass" sehen willst, dann guck'in den Spiegel - es sind DEINE Beiträge, die mit schöner Regelmäßigkeit moderiert oder gelöscht werden, weil sie die Regeln des Anstands und teilweise der Gesetze verletzen.
Ich würde nur gerne mein Scherflein dazu beitragen, dass nicht irrtümlich jemand Dich für einen "typischen Christen" hält und sich demzufolge in vielen Vorurteilen bestätigt sieht - das haben die Jugendlichen, die zum WJT pilgern, nicht verdient. Und jetzt schleich' Dich doch bitte wieder zu Deiner vollmundig als "Kondolenzliste" beworbenen Seite mit gefaketen "Gast"kommentaren - meinetwegen schreib' wieder was über die bösen Pädo-Nazi-Satanisten im Regierungsauftrag, darin hast Du ja Übung.
DemonDeLuxe am 18.08.05 13:12
Danke für das Löschen der nun wirklich justiziablen 21 Worte. Der Rest kann auch weg.
(falls das nicht geschieht, hier die Gegendarstellung):
1. ja, ist gegen Sie im Gange
2. es gibt neben mir noch weitere 7 junge Erwachsene und Jugendliche, die für Weisse Rose im Internet unterwegs sind (von den insgesamt ca. 60 aktiven, die aber z. g. T. im RL wirken), also schliessen Sie nicht immer auf mich, wenn einer die URL postet.
3. Haben Sie noch gar nicht mitgekriegt, was alles von IHNEN gelöscht wurde? *lol* Ich weise den "Hass"-Vorwurf weit von mir. Ich verzeihe ja sogar Ihnen und bete für Sie, dass Sie ihre Hass-Phase eines Tages überwinden! Tun Sie nicht so, als wenn Ihnen etwas am Ruf der Christen liegt. Der wird durch Leute für Sie immer mieser, die vorgeben, es mit dem Christentum nur gut zu meinen.
4. Tsss, SIE haben mir schon gar nichts zu sagen, wohin ich mich zu "schleichen" habe.
5. Ja, es IST eine Kondolenzliste. Und die Aufmerksamkeit dafür in vielen Radio- und Fernseh-Beiträgen scheint Ihnen nicht sehr zu schmecken. Schadeeeeeeeeee -für Sie!
6. Die Gastkommentare sind nicht gefaket. Sie sind allesamt echt und passen Ihnen nur nicht in den Kram, weil sie Ihren Ansichten und Anliegen diametral widersprechen.
7. Das Mischmasch "Pädo-Nazi-Satanisten im Regierungsauftrag" ist IHRE Kreation, nicht meine.
So, SIE werden mich nicht zum Schweigen bringen!
Magnus am 18.08.05 13:51
@Mods
*g* Das ist natürlich ein dicker Patzer gerade an DER Stelle - well, ich nehme an, für einen Außenstehenden ist manches (zu) schwer zu durchblicken - hätte ich mehr drauf achten müssen, mea culpa (weiß gar nimmer genau, was ich da geschrieben hatte, hm...).
@Magnus
Mir geht es nicht um den Ruf von Christen, das ist richtig - wenngleich ich einen überzeugten, aufrechten Christen weitaus mehr achte als einen atheistischen Heuchler. Mir geht es um das Miteinander von Christen und Nichtchristen - da helfen Fundamentalismen und Hetztiraden nicht weiter, im Gegenteil. Religion darf nicht dazu missbraucht werden, Fronten aufzuziehen oder zu verhärten - und Leute wie DU instrumentalisieren Religion im ureigenen Interesse.
In diesem Blog-Eintrag hier steht ein Satz, den Du zumindest seit Jahren (weitestgehend erfolglos) versuchst umzusetzen: "Wichtiger als inhaltliche Diskussionen sei das Gemeinschaftserlebnis". Das versuchst Du immer wieder zu erzielen, indem Du künstliche Feindbilder heraufbeschwörst, indem Du ein "Innen" über ein vermeintlich bösartiges "Außen" zu konstruieren suchst. DIESE Art der "Gemeinschaft" ist die, die andernorts Selbstmordattentäter hervorgebracht hat - nicht, dass ich Dir so etwas zutraue, aber die Mentalität ist vergleichbar. Abschottung, Stilisierung des Gegners zur Inkarnation des Bösen, daraus abgeleitete Legitimation, dass "jedes Mittel recht"sei. Deine anmaßend "weisse Rose" genannte, sog. "Jugendorganisation" versucht sich seit Jahren ausschließlich anhand von Feindbildern zu definieren - die interessanterweise dauernd wechseln, je nach Großwetterlage. Momentan ist halt gerade der Papst "hip" - und *schwups* wandelt sich Magnus zum bekennenden Katholiken.
Warum eigentlich so förmlich mit dem "Sie"? Wir haben uns schon vor Jahren geduzt, mit praktisch allen Deinen Tarnidentitäten... leider.
DemonDeLuxe am 18.08.05 15:03
@Dominique Tousaint
Sie lernen es nie! Auf dieser Grundlage eines "Selbstmordattentäter"-Vergleichs ist dies das Ende der Diskussion! Und ich verbitte mir das "Du".
Danke noch mal an alle, die sich in die Kondolenzliste eintrugen! Es besteht Anlass zu Hoffnung, dass sich junge Menschen gegen den Hass und für Nächstenliebe zusammenschliessen.
[[[Ein Link wurde wdr.de entfernt]]]
Magnus am 18.08.05 16:33
tragt eure persönlichen hasstiraden bitte auf der straße und unter 4 augen aus, ist ja nicht zum aushalten
danke
werner am 19.08.05 23:47
Zum Anfang dieses Eintrags
Zum SeitenanfangWas für ein Wechselbad der Stimmungen. Gestern war ich umgeben von euphorischen Jugendlichen. Singen, tanzen, klatschen – all das, so schien es, aus reiner Freude am Christ-Sein und Zusammen-Sein. Heute höre ich hingegen sehr viel differenzierte und kritische Töne. Die Stimmung ist nüchterner, um nicht zu sagen ernüchtert. Das Papstfieber ersetzt die kühle, sachliche Analyse. Im Veranstaltungszentrum von "Wir sind Kirche" habe ich viele interessante Gespräche geführt, so dass ich gar nicht zum Schreiben gekommen bin. Mehr dazu gleich.
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Mit Straßenkreide malen Mia und Sarah aus Mülheim an der Ruhr ihre Botschaft auf das Pflaster: "Präservativ statt konservativ". Und damit es auch ja keine Verwechslungsgefahr mit einigen Jugendlichen auf dem WJT gibt, steht auf ihrem T-Shirt "Wir sind nicht konservativ". Mia ist zwar katholisch, aber nicht beim Weltjugendtag registriert. Sie verteilt lieber mit ihrer Freundin Kondome in der Stadt. Eine Stunde lang waren sie auf der Domplatte unterwegs. Wie waren die Reaktionen? "Einer hat es mir wieder vor der Füße geworfen, andere haben sich gefreut. Und wir haben viel diskutiert", erzählt Mia. "Die größte Nachfrage war bei den Italienern", bilanziert Sarah schmunzelnd, und Mia ergänzt: "Ja, und ein Franzose hat mir das Kondom aus der Hand geschlagen. Also, echt schmerzhaft jetzt." Die beiden 18-Jährigen schätzen, dass sie in einer Stunde zwischen 100 und 150 Kondome verteilt haben. Bezahlt haben sie die Verhüterli nicht von ihrem Taschengeld, eine Beratungsstelle für Schwangere hat sie ihnen zur Verfügung gestellt. Nun sind Mia und Sarah zur altkatholischen Gemeinde "Christi Auferstehung" gekommen. Die Initiative "Wir sind Kirche" hat hier ihre Zelte aufgeschlagen. Eine offizielle Teilnahme am WJT wurde der kirchenkritischen Initiative verwehrt.

Mia (links) und Sarah, von vorne und von hinten.
Kritische Katholiken werben für Kondome
Ich würde die Dinger auch annehmen. Wenn das Wetter besser wird, kann man schöne Wasserbomben daraus machen...
Daquino am 17.08.05 18:52
"Eine offizielle Teilnahme am WJT wurde der kirchenkritischen Initiative verwehrt. ..."
Und das war auch gut so. :-P
Magnus am 17.08.05 19:10
Würd mich mal interessieren, wieviele Leute kommen, wenn WsK ein Weltjugendtreffen macht... :-)
Und was die bloß alle immer mit den Kondomen haben????
Petra am 17.08.05 20:35
Welches Motiv haben die zwei Mädels?
Taizé am 17.08.05 21:08
@Petra
Vermutlich doch wohl einen oder mehrere der Gründe, die für die Verwendung von Kondomen sprechen - eigenverantwortliche Familienplanung, Infektionsschutz...
Ich glaube kaum, dass es sich bei der Aktion um eine besonders freche Art der Anmache handelt ;O)
DemonDeLuxe am 17.08.05 21:31
Wenn ihr nicht konservativ sein wollt, bitte.
Gott ist jedenfalls gegen Sex außerhalb der Ehe. Das ist nicht konservativ, sondern das einzig richtige.
Wie weh tut es, sich mit einem Menschen zu vereinigen (seelisch und sexuell) und diese Verbindung später zu lösen!
Gott ist für eine dauerhafte (sogar irdisch ewige!) Beziehung zwischen Mann und Frau!
Wenn ihr das nicht wollt, macht euch lieber euren eigenen Gott, denn der echte ist nicht dabei!
Veli am 17.08.05 22:34
Veli, wo GENAU hat Gott das gesagt? Würde mich jetzt 'mal interessieren. Hast Du gerade 'mal die Bibelstelle parat?
DemonDeLuxe am 17.08.05 23:00
"Vermutlich doch wohl einen oder mehrere der Gründe, die für die Verwendung von Kondomen sprechen"
Demon, ich bin ein ganz alter Hase auf den Gebiet Kondome (und auch, dass da manchmal einiges schieflaufen kann...). Und ich habe noch vor einem Jahr die Idee, keinen Sex vor der Ehe zu haben und nicht zu verhüten, auch völlig abwegig gefunden.
Hat sich aber geändert: weil ich mich darauf eingelassen habe und versucht habe, es zu verstehen. Es geht nämlich gar nicht um "Kondomverbote". Es geht um ein kohärentes Menschenbild, in dem Respekt und Liebe die Hauptrolle spielen: von Mann und Frau füreinander, und von den Eltern zu ihren Kindern.
Es ist hier nicht der Platz, um das jetzt im Detail zu erklären. Wer sich dafür interessiert, sei zu den Büchern von Christopher West verwiesen.
Petra am 17.08.05 23:39
@DemonDeLuxe
z.B. Mk 2,8f. Allerdings bleibt noch darauf hinzuweisen, dass der katholische Glaube kein Bibelfundamentalismus ist, sondern sich auch aus der apostolischen Tradition speist.
Wenn es Dich wirklich interessiert, warum die Kirche glaubt, dass Sex in die Ehe gehört und die Ehe bis zum Tod dauert, dann schau mal unter "Theologie des Leibes" bei google nach.
Daquino am 17.08.05 23:43
Interessant, daß es auch hier zu diesem Thema am meisten Resonanz gibt - scheint also nicht dumm zu sein, die Kondome als "Aufhänger" zu nehmen. Bin allerdings auch der Meinung, daß er noch viel mehr an der Kirche zu kritisieren gäbe ;o)
Gizmo771 am 17.08.05 23:57
Und zu dem "echten Gott". Bei solchen Aussagen läuft es mir immer kalt den Rücken runter. Man könnte doch einfach "christlicher Gott" sagen. Ob ihr richtig lagt seht ihr dann ja noch früh genug^^
Gizmo771 am 18.08.05 00:03
Mir hat es heute abend auch ohne Kondom Spass gemacht. Süsser blonder Feger aus CZ, Pille, war heiss im Schlafsack :-))) WJT ist auch in der Beziehung schön. Wer das verpassen will, kann von mir aus gerne seine persönliche Neurose bekommen.
Joe am 18.08.05 00:31
Ich möchte gern mal wissen, wer denn Gott schon getroffen hat, um behaupten zu können, daß dieser Gott diese Regeln aufgestellt hat! Die Regeln wurden von Menschen erschaffen! Wer die Bibel und damit die 10 Gebote für die Worte Gottes hält, hat sie meiner Meinung nach nicht richtig gelesen!
Und ich finde es vermessen, daß man seine Meinung über die eines anderen stellt! Und wer eine höhere Macht wie Gott als Argument dafür benutzt, hat meiner Meinung nach keine Diskussionsgrundlage! Gott hat uns den freien Willsen gegeben und jeder sollte diesen ausleben, wie er möchte, solange er anderen damit nicht schadet! Und wie sehr AIDS einem Menschen schadet, weiß nur jemand, der schon Menschen daran hat sterben sehen! Wer Sex nur in der Ehe praktizieren möchte, dem sei das vergönnt aber Menschen zu verurteilen, die sich auch ohne Ring am Finger seelisch und körperlich verbunden fühlen, und dieses auch ausleben möchten, finde ich ignorant. Und Ignoranz auszuüben ist bestimmt nicht in Gottes Sinne!
Nastassja am 18.08.05 01:53
@Petra
Ich habe durchaus Verständnis und sogar etwas Bewunderung für Menschen, die das mit dem "Kein Sex vor der Ehe" so sehen - ein Freund von mir machte diese Wandlung vom Saulus zum Paulus mit. Ich war sehr erstaunt, zunächst skeptisch... aber er ist (mangels besserer Worte) "authentisch" in seiner Überzeugung. Dagegen ist gar nichts zu sagen. WOGEGEN etwas zu sagen ist, ist die Predigt dieser Auffassung als Dogma, unter Androhung von "Sündhaftigkeit" nebst der damit verbundenen Strafen. Als freie Willensentscheidung: Prima. Als Doktrin: Gemeingefährlich.
@Daquino
Scusi? Marjus 2,8? " Die Heilung eines Gelähmten"? Sorry, da finde ich nichts derartiges. Aber Du sprichst den Punkt, um den es mir ging, ja selbst an: Es geht also um "apostolischen Tradition" und nicht etwa, wie veli weiter oben meinte (und wie nur zu gern verwechselt wird), darum, dass "Gott jedenfalls gegen Sex außerhalb der Ehe ist". Das ist ein Unterschied, vor allem in der Argumentation. Über Deine Variante kann man trefflich streiten und sollte es auch immer wieder - die von veli genannte aber ist Quelle von Fundamentalismen, die wir so langsam 'mal aus der Welt verbannen sollten. Bei den Muslims lehnen wir den ja schließlich auch ab.
Und: Ich kenne verschiedene Lesarten der Begründung, warum die katholische Kirche so erpicht auf ausschließlich ehelichen Sex ist - manche davon hört die Kirche gar nicht gerne. Das sind die, wo von Kontrolle und Macht die Rede ist.
Ganz persönlich muss ich sagen: Für mich ist die Ehe als Symbol etwas durchaus Besonderes. Aber die Vorstellung, dieselbe Sache könnte "besser" oder "richtiger" sein, weil ein weißgewandeter Herr einmal segnend seine Hand erhoben hat, die ist, mit Verlaub, putzig. Wenn ich meine Partnerin (hoffentlich) dereinst heirate, so, weil ich sie liebe - und nicht umgekehrt. Dementsprechend sehe ich die Ehe - im Gegensatz zur Liebe - als zwar nett, aber verzichtbar an.
Waren eigentlich Adam und Eva verheiratet? Falls ja: Von wem denn eigentlich?
DemonDeLuxe am 18.08.05 02:09
"Als Doktrin: Gemeingefährlich."
Warum denn? In einem Land, wo mittlerweile schon die ganze Politik von einer Überalterung und zu wenigen Kindern spricht? Wo gleichzeitig pro Monat über 10.000 Kinder abgetrieben werden (1. Quartal 2005: 32.600 Kinder laut Statistischem Bundesamt)? Wo Familien andauernd durch Scheidung auseinandergerissen werden?
Was ist hier eigentlich wirklich gemeingefährlich???
"Das sind die, wo von Kontrolle und Macht die Rede ist."
Woher nimmst Du das? Steht bei mir vielleicht der Pfarrer am Fenster und schaut zu, was ich mache oder nicht mache? Ist das nicht etwas sehr kurz gedacht?
Ich denke mir oft, wenn man die katholische Lehre über Liebe, Sex, Beziehungen, Ehe und Kinderkriegen in Beratungsbücher mit reißerischen Titeln wie "Der Weg zu einem garantiert glücklichen und erfüllten Leben!" verpacken würde, käm's sicher besser an... :-)
Und außerdem: warum sollte die Kirche eigentlich zu diesen Dingen kuschen? Nur, weil's nicht dem Zeitgeist entspricht? Entsprach denn der Glaube der Urchristen etwa dem Zeitgeist ihrer Zeit???
"Waren eigentlich Adam und Eva verheiratet? Falls ja: Von wem denn eigentlich?"
Von Gott natürlich! :-): "Gott segnete sie und Gott sprach zu ihnen: Seid fruchtbar und vermehrt euch, bevölkert die Erde" (Gen 1,28)
Nach katholischer Lehre werden die Eheleute übrigens nicht vom Priester verheiratet, sondern sie heiraten einander (sie spenden sich gegenseitig das Sakrament der Ehe). Der Priester ist nur als Zeuge zugegen.
Petra am 18.08.05 02:48
@Petra
Zunächst einmal ist es meine feste Überzeugung, dass der Wunsch nach Kindern ausschließlich Privatsache ist und sein muss. Ich selbst möchte zwar sehnlichst welche haben, aber das ist MEINE Entscheidung (naja, und die noch einer Person, well... *g*). Und wenn Deutschland aussterben sollte - na und? Wenn die Menschen das so wollen?
In Sachen "Abtreibung" könnte man jetzt lange und fruchtlos streiten - ich persönlich, wir haben in unserer Rechtsprechung einen vernünftigen Kompromiss. Dennoch würde ich es begrüßen, wenn durch eine bessere Aufklärung auch über Verhütung die Abtreibungsrate gesenkt werden könnte. Alles moralische 'mal außen vor, ist eine Abtreibung für die meisten Frauen (und nicht wenige Männer!) doch eine seelische Belastung, die man vermeiden sollte, wo es möglich ist.
Da Wort "gemeingefährlich" habe ich gewählt, weil ich mich einerseits einem obrigkeitlichen EIngriff in die persönliche Freiheit entschieden verwehre, erst Recht im Namen einer Entität, die für michso irreal ist wie die kleinen grünen Männchen. Ich werde niemals eine solche Verfügung über MEIN Leben dulden, die auf etwas basiert, was Menschen einst im Namen einer mythologischen Figur auf Papyrus geschrieben haben. Wenn Du Dich daran reibst, stell' Dir vor, jemand würde versuchen, die Gesetze Odins bei Dir durchzudrücken. Und, nein, da besteht KEIN Unterschied.
Und andererseits ist die passive Beihilfe zur Verbreitung von AIDS durch das Predigen gegen Kondome buchstäblich gemeingefährlich und mitverantwortlich am Tod von Millionen Menschen.
>> "Das sind die, wo von Kontrolle und Macht die Rede ist."
> Woher nimmst Du das? Steht bei mir vielleicht der Pfarrer am Fenster und schaut zu, was ich mache oder nicht mache? Ist das nicht etwas sehr kurz gedacht?
Es ist noch gar nicht so lange her, da war das im Wesentlichen so. Bzw. der Pfarrer brauchte das gar nicht, weil das Patriarchat ja ein ausgeprägtes Interesse an der Aufrechterhaltung der kirchlichen (patriarchalen) Doktrin hatte. Die Kirche stärkte die Männerwelt und verlieh ihr Macht über die Frauen - im gegenzug bedankte man sich und gab der Kirche Macht. Und wer da weiblicherseits nicht reinpasste / reinpassen wollte, wurde, je nach Zeitalter, zur Hexe oder zur Nutte erklärt. Notabene: Ich bin wahrlich kein Frauenrechtler - aber diese Prozesse liegen auf der Hand. Das magst DU anders empfinden, und auch das steht Dir zu - wenn Du das aus freien Stücken tust, wie es ja den Anschein hat. Mein Ärger gilt der Durchsetzung bei jenen, die das NICHT so sehen / gesehen haben.
> Ich denke mir oft, wenn man die katholische Lehre über Liebe, Sex, Beziehungen, Ehe und Kinderkriegen in Beratungsbücher mit reißerischen Titeln wie "Der Weg zu einem garantiert glücklichen und erfüllten Leben!" verpacken würde, käm's sicher besser an... :-)
Vielleicht... wobei mir diese Ratgeberlein auch nicht viel geben. Immerhin haben sie den Vorteil, dass sie nicht auf dem Axiom einer Gottwesenheit beruhen, die ich nun einmal als nicht existent ansehe - und damit jegliche aus ihr abgeleitete Lehren als redundant. Man kann mit mir sowohl über Sachthemen wie auch über Moral etc. diskutieren - man sollte nur nicht erwarten, dass ich das auf der Basis von etwas tue, was ich als pure Legende begreife.
> Und außerdem: warum sollte die Kirche eigentlich zu diesen Dingen kuschen? Nur, weil's nicht dem Zeitgeist entspricht? Entsprach denn der Glaube der Urchristen etwa dem Zeitgeist ihrer Zeit???
Das tat er, ansonsten hätte er nicht diese Erfolgsstory hinter sich. Kaiser Constantin hat das wohl besser als je ein anderer erfasst und das Christentum als Ersatz für den erfolglosen Staatsglauben an "sol invictus" herangezogen - ein Umstand, dem wir noch heute den angeblichen, aber falschen Geburtstag Jesu verdanken. Außerdem übersiehst Du geflissentlich, dass von dem "Glauben der Urchristen" nicht mehr viel übrig geblieben ist, jedenfalls in der katholischen Kirche: 2000 Jahre lang hat man systematisch ausgemerzt, was nicht dem eigenen Interesse entsprach, und stattdessen hinzugedichtet, was gerade opportun erschien. Die Kirche hat nahezu 2000 Jahre lang den Zeitgeist GEMACHT und herzlich davon profitiert - kein Wunder, dass sie aufbegehrt, wenn andere sich anheischig machen, das auch 'mal in die eigene Hand zu nehmen.
> "Gott segnete sie und Gott sprach zu ihnen: Seid fruchtbar und vermehrt euch, bevölkert die Erde" (Gen 1,28)
Ah, ja, die Stelle - der erste Teilsatz war mir nicht gewärtig, aber ich erwartete so eine Antwort ;O)
Hm... wenn aber doch der Priester verzichtbar ist... dann wäre also ein simples Bekenntnis meiner Partnerin gegenüber äquivalent mit dem "Sakrament", oder? Nicht juristisch natürlich... aber ein ernstgemeintes Liebesbekenntnis und -versprechen, das wäre doch dann das?
Aber noch einmal auf dieses Zitat zurückkommend, weil es ja gar zu gerne als Begründung dafür herhalten muss, warum die Kirche Empfängnisverhütung ablehnt:
Wenn Dir ein Polizist sagt: "Zeigen Sie mir Ihren Ausweis", dann tust Du das, nehme ich an. Was Du NICHT tust, ist, von da an täglich oder gar stündlich mit gezücktem Perso auf den Wachtmeister zuzurennen und ihm damit vor der Nase herumzuwedeln. Klingt ja auch lächerlich, nicht? Aber, komisch: Die Interpretation dieses Zitats durch die Kirche folgt exakt dieser lächerlichen Logik: Es wird daraus abgeleitet, dass man sich IMMER vermehren muss, wenn man sich's denn schon gemütlich macht. Aus einem "vermehrt Euch" macht man flugs ein "vermehrt Euch bei jeder sich bietenden Gelegenheit und wagt es nicht, es einmal nicht zu tun". Also, wäre ich gläubig, würde ich ganz schon protestieren dagegen, dass jemand das Wort Gottes so verdreht, ganz ehrlich. Da wird "im Namen Gottes" etwas gepredigt, was er gar nicht gesagt hat? Ist das... Ketzerei?
Zudem: Die Vorgabe "vermehrt Euch" ist faktisch bereits nach dem 3. Kind erfüllt - haben dreifache Eltern dann Dispens und dürfennach Herzens- und Leibslust verhüten? Oder gilt hier quasi als Hausregel der Zusatz: "...wie die Karnickel und ohne Limit ungeachtet aller Konsequenzen"?
DemonDeLuxe am 18.08.05 05:05
Ich bin auch gegen Abtreibung. Und für alle Kondomgegner zum Mitschreiben:
Durch den Einsatz von Kondomen liesse sich die Zahl der Abtreibungen verringern !
M.a.W. wer gegen Kondome wettert, leistet dem Einsatz von Abtreibung Vorschub und versündigt sich gegen das Leben.
Joe
Joe am 18.08.05 06:52
Mk 10,8f meinte ich, sorry. Schade dass hier nicht der richtige Ort ist, um sich mal ernsthaft über das Thema zu unterhalten.
Natürlich wird eine Ehe, die nicht vor einem Priester geschlossen wird, auch von der katholischen Kirche anerkannt - sie ist nur keine sakramentale Ehe (sie hat also nicht die geistliche und sakramentale Dimension einer Ehe, sondern nur die natürliche). Mir wär das ein bisschen zu wenig.
Es stimmt auch nicht, dass die Kirche sagt, dass man sich immer vermehren soll. Das Paar soll nur nicht die Möglichkeit zum Entstehen neuen Lebens verhindern. Kondome tun das und die Pille hat sogar zusätzlich noch eine abtreibende Wirkung.
Was die Liebe betrifft, so haben Christen und Atheisten/Agnostiger/Gleichgültige unterschiedliche Vorstellungen von diesem Begriff. Darüber würde es sich auch lohnen, sich zu unterhalten. Das christliche Verständnis von Liebe ist weitaus weniger emotional (in dem Sinne, dass es mehr über die Gefühlhaftigkeit hinausgeht, ohne diese natürlich zu leugnen).
Zu dem Argument, Kondome würden die Zahl der Abtreibungen verringern: Das scheint mir doch nicht mehr als eine Milchmädchenrechnung zu sein. Ich habe eher den Eindruck, dass Kondome und Verhütung allgemein den Sinn für den Wert des Lebens vermindern, sodass Kondome letztendlich nicht etwa Abtreibungen verhindern, sondern fördern. Es würde mich doch wundern, wenn seit der Einführung der Pille die Zahl der Abtreibungen abgenommen hätte.
Daquino am 18.08.05 10:26
@Daquino
Och, das mit dem "ernsthaft unterhalten" geht schon - eine vernünftige Diskussion ist allemal wichtiger als ausgefeilte Forentechnik.
Was also Mk 10,8f angeht: Ein weiteres berühmtes Zitat, nur ist es schon eine durchaus gewagte Auslegung, darin eine Propagation der Ehe an sich zu erkennen. Der relevante Ausdruck ist ja "was Gott zusammengefügt hat" - und wie genau ist das jetzt gemeint? Denn an dieser Stelle ist ja nicht von Ehe die Rede, allenfalls von Sex - streng genommen sogar nur von göttlich gefügtem Sex. Es stellt sich ja zunächst einmal die Frage, was denn "Gott zusammengefügt hat". Ich habe es schon immer als äußerst verwegen angesehen, das schlankweg auf jede von Menschen geschlossene Ehe zu beziehen. Halte ich für ziemlich anmaßend, bedeutet es doch im Umkehrschluss, dass jeder Mensch qua Eheschließung (aus egal welchen Motiven, vielleicht ja rein finanzieller Natur?) Gott praktisch zu einer Gutheißung zwingen könne. Oder, wenn man es noch weiter fassen will (also nicht nur auf Ehe, sondern auch auf Sex an sich bezogen) und 'mal flapsig ausdrücken: Man muss nur mit wem poppen und hat schon den göttlichen Willen definiert... das ist eine der vielen Stellen, wo sich in meinen Augen eine oberschlaue und äußerst schmalwinklige Auslegung mit der Göttlichen Unermesslichkeit und vor allem Unkontrollierbarkeit beißt. Was wäre denn das für ein Gott, der sich so festnageln ließe (pun not intended)?
Insgesamt, seien wir ehrlich, ist diese Passage alles andere als klar - und daher fragen die Jünger ja auch nach, es ist ja auch ihnen nicht deutlich, was Jesus eigentlich meint. Und was hören sie dann? Von Scheiden und Wiederverheiraten hören sie, also durchaus deutlich von einseitiger Willensbekundung zugunsten eines neuen Partners. WEDER ist da die Rede von außerehelichem Sex (noch nicht einmal WÄHREND der Ehe - es sei denn, "Ehe" wird mit Sex gleichgesetzt, aber das widerspräche ja wiederum dem engeren, kirchlichen Verständnis) noch von einvernehmlicher Trennung (und erst recht nicht von Trennung ohne neuerliche Eheschließung - Jesus ist da sehr konkret). Es ist eine Ermahnung zu ehelicher Treue. Punkt und aus. Finde ich aber auch ohne religiösen Hintergrund gut, wie durchaus einige Vorschriften der Bibel. Nur das Dogma kann mindestens ICH nicht aus dieser Passage ableiten.
> Natürlich wird eine Ehe, die nicht vor einem Priester geschlossen wird, auch von der katholischen Kirche anerkannt
Aber lediglich als juristischer Akt.
> Mir wär das ein bisschen zu wenig.
Nun ja - mir wäre das einerlei, weil ich doch etwas andere Prioritäten setze. Mal ehrlich: Wenn ich gläubig wäre - was kümmerte es denn mich, was die Priester sagen, wenn doch mein Gott mir direkt ins Herz schauen kann und WEISS, ob ich diese Ehe mit aufrichtigem Wollen eingehe? GERADE, wenn ich gläubig wäre, wäre die "kirchliche" Sicht der Dinge doch verschwindend unwichtig neben der GÖTTLICHEN. Wo wäre denn der Gewinn durch ein Ritual - außer für die Stimmung, das sei zugestanden. So eine Hochzeit in weiß, mit Orgelmusik... hat was.
> Es stimmt auch nicht, dass die Kirche sagt, dass man sich immer vermehren soll. Das Paar soll nur nicht die Möglichkeit zum Entstehen neuen Lebens verhindern.
Also, einmal davon ausgehend, dass wir mitsamt unserem Sexualtrieb geschaffen wurden - jetzt 'mal einerlei, ob qua Evolution oder Genesis - gehört Geschlechtsverkehr zum Leben dazu wie Atmen oder Nahrungsaufnahme. Was wäre das für ein stümpernder - oder grausamer? - Gott, der uns so geschaffen hätte, dass wir ein brennendes Verlangen in uns tragen, dem wir nicht folgen dürfen? Was Sie da sagen, läuft auf eine von zwei Alternativen hinaus: Entweder man lebt "enthaltsam" und verleugnet diesen (in Ihrer Lesart: ebenso gottgegebenen!) Aspekt der Menschlichkeit - oder man vermehrt sich eben doch karnickelartig unkontrolliert. Wir haben also die Wahl zwischen einer sexfeindlichen Kirche (wie überraschend) und einer, die weder persönliche Entscheidungsfreiheit noch Überbevölkerung zur Kenntnis zu nehmen bereit ist, von Krankheiten gar nicht zu reden.
> Was die Liebe betrifft, so haben Christen und Atheisten/Agnostiger/Gleichgültige unterschiedliche Vorstellungen von diesem Begriff.
Sind Sie so sicher? Na, Sie trauen sich ja 'was ;O)
> Das christliche Verständnis von Liebe ist weitaus weniger emotional (in dem Sinne, dass es mehr über die Gefühlhaftigkeit hinausgeht, ohne diese natürlich zu leugnen).
Das sehe ich jetzt naturgegebenermaßen als "rosa eingefärbt", denn das liest sich wie dieser unoriginelle Werbespruch "...und mehr". Aha. "McChrists - Gefühle und mehr". Was genau, bleibt im Dunkel, aber jedenfalls "mehr". Und vor allem: "bei uns ist das besser als bei den Heiden". Mit Verlaub: Das nehme ich nicht ernst - aber ich verstehe natürlich, dass und warum Sie das so sagen. Platt gesagt, wäre es doch auch unfair, wenn so ein Ungläubiger sich genauso gut fühlen könnte, nicht? Glaube soll ja schon auch 'was bringen - irgendwie "mehr" - WENN man denn schon nicht einfach nur zum Spaß ;O)
> Zu dem Argument, Kondome würden die Zahl der Abtreibungen verringern.
Sie haben natürlich insofern Recht, als das Argument nicht logisch stichhaltig ist. Allerdings ist genau der nichtlogische Chrakter in diesem Fall eine Stärke - vergessen Sie nicht, wir sprechen von einem Gebiet, in dem Liebe und Triebe dominant sind. Wenn man hier mit schierer Vernunft brauchen wir hier gar nicht zu kommen - das wissen Sie eigentlich auch. Gerade ausgefeilte Logik und Vernunft versagen hier - erfahrungsgemäß.
Aber eines kann ich Ihnen argumentativ schnell widerlegen: Sie postulieren einen durch Empfängnisverhütung verminderten, gefühlten "Wert" des Lebens. Und ich halte dem entgegen: Das Gegenteil ist der Fall, da der Anteil des GEWOLLTEN und daher auch um seiner selbst willen GESCHÄTZTEN Lebens zunimmt.
Wie fahren Sie denn lieber in den Urlaub? Auf Kommando der Personalabteilung in eine Firmen-Ferienanlage oder zum Traumziel Ihrer Wahl, auf das Sie jahrelang hingespart haben? Und von welche Reise werden Sie aller Wahrscheinlichkeit nach noch nach Jahren schwärmen?
Dann wissen Sie auch, welche Kinder (immer natürlich im statistischen Mittel) mehr geschätzt werden.
*ächz* so einen langen "Kommentar" habe ich, glaube ich, auch noch nie in ein Blog geschrieben ;O)
DemonDeLuxe am 18.08.05 11:32
Hallo Daquino,
das ist doch blauäugig. Es hat schon immer Sex ohne Ehe gegeben und wird es auch immer geben. Früher hatte eine Frau da Pech, wurde geächtet, hatte sozialen Abstieg zu befürchten usw., wenn sie schwanger wurde. Es ist aber so, das wir in der heute aufgeklärten Zeit schneller "zur Sache" kommen. Unabhängig davon, ob man das gutheißt oder nicht, passiert es halt. Kondome helfen hier unerwünschte Folgen zu vermeiden. Ich habe lieber 100 Paare, die ein Kondom verwenden als eine einzige Abtreibung. Und im Zeitalter von AIDS sich gegen Kondome auszusprechen, kommt einer Aufforderung zu russischem Roulette gleich - weil eben jede noch so gute Absicht daneben nicht verhindern wird, das es Sex neben Fortpflanzung und der institutionalisierten Ehe gibt. Ist mir gestern abend erst mit einer netten tschechischen Pilgerin passiert. OK, wir haben uns verliebt und es hat gewaltig gefunkt, na und ? Ich fühle mich nicht schlecht deswegen. Ganz im Gegenteil. Ein Einzelfall bin ich garantiert auch nicht.
Seit es die Pille und die (leider) gesetzlich geregelte Abtreibung gibt, haben die Statistiken meistens nur einen Anstieg zu verzeichnen - warum wohl ? Weil eben nicht mehr wie in den 30er und 40er Jahren (bis in die 50er hinein) Frauen zu "Engelmacherinnen" = illegale Abtreibung gehen, die in keiner Statistik auftauchen. Hätten wir Möglichkeiten, das zu verfolgen, wäre es zumindest am Anfang der "Ära Pille" ein Abwärtstrend gewesen. Und das die Zahl der Abtreibungen weiter steigt, hängt mit der zunehmenden Zahl geschlechtlicher Kontakte zusammen. Und das kann keiner verhindern, egal ob kath., ev. oder sonstwas. Mit einem aktiven Einsatz für Kondome in einem verantwortungsvollen Rahmen liesse sich da einiges bewegen. So a la "ich bin nicht für vorehelichen GV, aber wenn es sein muss, nehmt wenigstens Kondome". Selbst Lehmann (!) hat ja im TV gesagt, das Veränderungen in der Sexualmoral zu bedenken seien. Ich wäre lieber für Kondome als für die unausbleiblichen WJT-Schwangerschaften.
Joe am 18.08.05 11:50
Hallo Leute, ich denke das Problem Katholische Kirche und Kondome (sprich Verhütung) ist doch nicht neu.Ich frage mich blos, wo bleibt die, von Allen immer so heftig geforderte Toleranz ? Warscheinlich mal wieder auf der Strecke...
Mensch werdet doch endlich mal wach,wir sind doch nicht mehr im Mittelalter...(gab's da eigentlich schon Kondome?)
In diesem Sinne Euch noch einen schönen WJT...
Gruß Pepe
Pepe am 18.08.05 11:56
@Joe
"WJT-Schwangerschaften" - das ist 'mal ein gleichermaßen provokantes wie treffendes Wort. Aber vermutlich gibt es die in der klerikalen Lesart so wenig wie priesterliche Kinder.
Hoffentlich war's (oder, besser noch: bleibt's) schön ;O)
DemonDeLuxe am 18.08.05 12:23
Es gehört schon viel Rückgrat dazu, wie man auch an diesem Thread wieder sieht, sich zu den Werten der katholischen Kirche zu bekennen und nicht der (die Polygamie, Prostitution & Pornographie bzw. den Sextourismus) fördernde Pille/Kondome-Verbreitung in der "3. Welt" das Wort zu reden.
Magnus am 18.08.05 12:56
Magnus,
wie wäre es mit erst überlegen, dann schreiben ????
"...die Polygamie, Prostitution & Pornographie bzw. den Sextourismus) fördernde Pille/Kondome-Verbreitung in der "3. Welt" das Wort zu reden." .... ist - mit Verlaub gesagt - in die Schüssel gegriffen. Was fördert denn Polygamie ? Pille & Kondom etwa ? Völlig daneben. Polygamie ist die Verbindung mit mehreren Partnern (Vielehe der Mormonen zB.), was Du meinst, ist Promiskuität.
Wenn wir eine zeitgemäße Sexualmoral hätten, wären die von Dir zitierten gesellschaftlichen Erscheinungen in ihrer Bedeutung viel geringer. Sich zu dringend korrekturbedürftigen Werten zu bekennen, hat nichts mit Rückgrat zu tun, sondern mit Einfältigkeit und Ignoranz. Und ich trete bewusst nicht für eine Anarchie der Werte ein (genausowenig wie für ein Diktat der Werte !!!), sondern für die im Geiste der religiösen Evolution sich verändernden Werte. Manch einer mag denken "das gibt es nicht" - weit gefehlt. Von den Werten der Zeit der Kreuzritter und Inquisition haben wir uns ja auch gelöst, oder ???
Na, was meinst Du, wieso die Kirchen (übrigens nicht nur die katholische) jahrzehntelang an Mitgliedern verloren haben ? Dazugewonnen haben sie doch z.B. in Lateinamerika, also dort, wo sie den Menschen etwas bieten konnten. Europa ? Fehlanzeige.
Joe am 18.08.05 14:45
nein, ich meine es so, wie ich es sage. Polygamie, weil der Mann ja die Folgen seines Treibens nicht mehr beachten muss. Es folgt ja schliesslich keine Schwangerschaft, die meist ER fürchtet, nicht SIE...
Magnus am 18.08.05 16:37
Magnus, das ist Quatsch hoch 3. Jede Frau, die nicht schwanger werden will, fürchtet eine "unpassende" Schwangerschaft genauso wie ein Mann. Ich finde Dein konservativ-patriarchalisches Weltbild erschreckend. Die Frau, die das aushalten muss, tut mir jetzt schon leid - wenn Du eine findest.
Joe am 18.08.05 19:41
ad Joe
das traurige, er hat schon eine gefunden, schau blog.magnusbecker.de Fotoalbum, mit konservativ-patriarchalischem Weltbild, da haben sich zwei gefunden :{
Ole am 19.08.05 01:00
@Ole
Hi Ole,
ich habe auch "meine" gefunden, hatte kein Präservativ, bin verliebt, happy und fahre deswegen nächstes WE nach Prag. Nur hat meine Süsse das, was sie möchte. Und sitzt nicht wegen überkommener Moral auf dem Trockenen.
Joe am 21.08.05 19:05
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Immer wieder bleiben Passanten stehen. Schauen, staunen, fotografieren, fragen. Ricarda Hinz verteilt Flyer und Aufkleber. In dieser – natürlich nicht repräsentativen – Mittagsstunde überwiegt die Zustimmung und die Freude über das bunte Gefährt. Die Erfahrung von Ricarda Hinz ist, dass es entweder begeistere Zustimmung oder heftige Ablehnung gebe. "Kalt lässt das Thema niemanden." Und wie sehen es die Pilger? Ich frage zwei junge Männer aus Paraguay. Wenn ich sie nicht auf den Wagen aufmerksam gemacht hätte, wären sie wohl dran vorbeigelaufen, denn sie sind hungrig und wollen zum Mittagessen. Aber für eine kurze Einschätzung haben sie Zeit: Nein, sie fühlen sich nicht in ihren religiösen Gefühlen verletzt, antworten sie freundlich. Ihre Ansicht sei das natürlich nicht. Aber sie verstehen den Weltjugendtag ohnehin als eine ökumenische und nicht als katholische Veranstaltung. Und Atheisten gegenüber sind sie tolerant.
Gleich fährt der Wagen weiter. Die nächsten Tage wird er quer durch Köln kurven, aber nicht mehr rund um den Dom. "Da wäre der Wagen gestern fast auseinander genommen worden", sagt Ricarda Hinz. Eine große Pilgergruppe habe den Wagen umzingelt und "Benedetto" skandiert. "Wir wollen aber nicht provozieren", stellt Hinz klar. Nach dem WJT soll es weitergehen mit der "religionsfreien Zone". Ein "Zentralrat der Konfessionslosen" sei gerade in Gründung ,und auch das Heidenspaß-Komitee wolle sich daran beteiligen.
Sacht das weiße Schaf: "Schnell! Hinterher!" Sacht das braune: "Warum?"
WJT-Blog-Süchtige am 17.08.05 15:46
ich habe die weblogauseinandersetzungen um die freigeister verfolgt.
ich toleriere sie.
betrueblich finde ich aber, dass die kritik an frau hinz und anderen atheisten nicht toleriert wird. zensur ist keine loesung. wie es in den wald hineinschallt, so auch hinaus. das muss die heidenspass initiative in kauf nehmen. nicht immer nur austeilen, auch einstecken koennen!
[[[ein link wurde von uns entfernt. (wdr.de)]]]
Stefan am 17.08.05 15:57
Der Papst als alter, unbeweglicher Dinosaurier und die Gläubigen als blöd dreinschauende, dumme Schäfchen - aber sie wollen nicht provozieren...
Na ja, wer's glaubt...
Kein Wunder, dass viele Pilger auf solch einen Hohn verärgert reagieren.
Daquino am 17.08.05 17:19
"Kalt lässt das Thema niemanden."
doch, mich.
Grüße vom Nordpol.
Eisbär am 17.08.05 17:39
So, nun nach der Beschwerde müsste es ja wieder gehen. Test...
Magnus am 17.08.05 18:31
Ich habe vorgestern auch schon in einer E-Mail-Korrespondenz erfahren, dass die "Heidenspass-Leute" selber keinen Spass verstehen und auf Kritik selber mimosenhaft reagieren.
Die sind selber tod-ernst!!!
Walter am 17.08.05 20:55
@Walter
stimmt leider. Melde dich mal bitte bei info@magnusbecker.de, es wird wohl momentan an einer Anzeige gegen (einige) diese(-r) Leute gebastelt, wie man munkeln hört.
Magnus am 18.08.05 09:07
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"Das ist doch geschmacklos. Die Kölner sollten sich lieber mal freuen, dass die jungen Leute hier sind." Das Urteil von Herrn Heinrichs über das Dinomobil ist eindeutig. Der Papst besuche schließlich eine Kölner Synagoge und versuche auf die Religionen zuzugehen, verteidigt er das katholische Kirchenoberhaupt. Während ich Herrn Heinrichs befrage, kommt eine Frau vorbei und sagt begeistert: "Herrlich!" Frau Sartorius findet den Wagen "sehr freundlich, das ist doch nicht böse gemeint." Sie gibt zu bedenken, dass viele Gruppierungen vom WJT ausgeschlossen wurden. Und zack, sind die beiden Passanten in einer lebhaften Diskussion:
Sartorius: Die Jugendlichen werden es nicht übel nehmen.
Heinrichs: Das ist eine Verhöhnung der internationalen Gäste, die von weit her gekommen sind.
Sartorius: Och, nöö. Sind wir da nicht ein bisschen eng im Herzen?
Heinrichs: Es geht hier um Gastfreundschaft. Das ist wieder typisch deutsch, da kommt jemand mit dem erhobenen Zeigefinger und meckert wieder.
Sartorius: Nein, nein, es geht darum, dass einfach alle einen Platz haben für ihre Anliegen.
Und dann tauschen sich die beiden weiter aus, über ihre Erfahrungen mit dem Glauben und der katholischen Kirche. Herr Heinrichs ist erst vor kurzem katholisch geworden ("wegen meiner Kinder"), Frau Sartorius nennt sich "gläubig, aber nicht christlich", für ihren Glauben brauche sie den Papst und die Institution nicht. Ich stehe staunend daneben und erlebe, wie zwei Menschen, die sich gerade erst begegneten, spontan sehr differenziert diskutieren. Sie reden noch über Entwicklungsarbeit in Sri Lanka, die Rolle der GTZ, der Banken und der katholischen Hilfsorganisationen. Kontrovers, aber immer bemüht, den anderen zu verstehen und bereit, trotz aller Differenzen aufeinander zuzugehen. "Es tut mir leid für die Helfer und Priester, wenn ich ihnen mit meinen Äußerungen jetzt Unrecht tue, denn an der Basis wird sehr viel Gutes getan", meint Frau Satorius. Herr Heinrichs stimmt zu und muss nun weiter, er hat leider keine Zeit mehr für ein Foto. Aber Frau Sartorius.

Die größte Sorge von Herrn Heinrichs ist, dass die Gefühle der jugendlichen Gäste verletzt werden. Also warte ich, bis doch noch ein paar Pilger vorbei kommen, die ich befragen kann.
Hoffentlich lesen die OrganisatorInnen der "Relgionsfreien Zone" diesen Bericht. Es würde sie sicher freuen, zu sehen, wie spontan ihre Aktionen zu (zivilen!) Diskussionen anregen. Großen Dank an die "Religionsfreien": Glaube muss immer wieder neu hinterfragt werden und sollte Kritik(erInnen) einbeziehen! Solche "Verzällcher" auf der Straße sind zudem ein Teil typisch kölscher Lebensqualität! Ist doch prima, den PilgerInnen so ein lebhaftes Miteinander demonstrieren zu können. Daher: Dank auch an Frau Sartorius und Herrn Heinrichs!
WJT-Blog-Süchtige am 17.08.05 14:50
immerhin erkennt die dame an, dass die helfer und priester an der basis sehr viel gutes tun. ueber die kritik an der kirchlichen obrigkeit kann man streiten. dann muss aber auch kritik an der freigeisterobrigkeit gestattet sein.
Ein link wurde von uns entfernt.
Stefan am 17.08.05 16:08
"Freiheit ist immer die Freiheit des anders denkenden"! Nur warum muß man Gäste beleidigen die anders denken als man selber.
Es ist "typisch deutsch" immer irgendwie herumzumeckern und herumzujammern.
Jetzt meckert man über Katholiken, nächstes Jahr Fußballfäns und würde es hier mal eine Olympiade geben dann könnte man auch das hervorragend als Plattform nutzen seinen Frust durch derartige Aktionen zu äußern.
Tim Jürgens am 17.08.05 16:19
@Tim
"Nur warum muß man Gäste beleidigen die anders denken als man selber."
du hast den Nagel auf den Kopf getroffen! Besonders die Beleidigungen, die gegen Jugend2000 und www.weisse-rose.info ausgestossen wurden und werden, gehen auf keine Kuhhaut mehr.
Magnus am 18.08.05 09:09
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Ein Vater geht mit seiner kleinen Tochter an dem eigentümlichen Gefährt vorbei. "Papa, ist das Karneval?" Nein, auch wenn die große Dinosaurier-Plastik von einem Karnevalswagenbauer gemacht wurde, ist dies – obwohl bunt und mitten in Köln – ausnahmsweise mal kein Karneval. Hier demonstriert das Komitee "Heidenspaß statt Höllenqual" für eine "religionsfreie Zone". "Wir wollen auf keinen Fall den Weltjugendtag stören oder durchkreuzen. Wir wollen nur ein Forum schaffen für die Skeptiker in der Kölner Bevölkerung", sagt Ricarda Hinz vom Komitee. Sie wollten den Kölnern ein Alternativangebot machen mit Veranstaltungen wie Lesungen oder dem "FreiGeisterzug", der am Freitag durch die Innenstadt gehen wird. Um die Mittagsstunde sind in auf der Venloer Straße, wo das Mobil gerade parkt, viele Einheimische unterwegs. Pilger sind deutlich in der Minderheit. Was denken also die Kölner über diesen Wagen mit dem rosa Dinosaurier, der die schwerfällige katholische Kirche repräsentieren soll?
Das Programm vom "Heidenspaß" liest sich spannend! Ein bunter Akzent mit viel Inhalt! Bravo!
WJT-Blog-Süchtige am 17.08.05 15:42
Spaß? Nein.
Spannend? Nein.
Bunt? Nein.
Inhalt? Nein.
Irgendwie absurd.
Magnus am 18.08.05 09:11
Zum Anfang dieses Eintrags
Zum SeitenanfangGanz Köln feiert den Weltjugendtag - so ist es zur Zeit (fast) überall zu lesen. Aber feiert wirklich die ganze Stadt? Ich werde mich gleich in die "religionsfreie Zone" begeben. Mal hören, was die Kritiker über das Großereignis sagen.
"Mal hören, was die Kritiker über das Großereignis sagen."?
Dann aber eben diese Kritiker (nein, nicht die Kritiker der Kirche, sondern die Kritiker der Kirchenkritiker) nicht zu Wort kommen lassen? Schade.
Magnus am 18.08.05 09:04
Zum Anfang dieses Eintrags
Zum SeitenanfangOk, ich gebe zu, ich habe bei meinem ÖPNV-Test geschwächelt. Ein wenig aufgeschreckt von den
Blogeinträgen von Stefan und seinem Verkehrschaos mit der Straßenbahn, habe ich mir von Bonn nach Köln eine Fahrt im EC gegönnt. Das geht schnell, weil der Zug durchfährt. Wenn er nicht außerplanmäßig kurz vor dem Ziel "Köln Hauptbahnhof" halten muss.

Die Fahrgäste stehen bereits mit ihrem Gepäck in den Gängen. Eine Schaffnerin fragt den Lokführer per Telefon, was los ist. Sie legt auf und sagt genervt zu einem Kollegen: "Schienenbruch und Weltjugendtag." Danach flötet sie durch die Lautsprecher: "Aufgrund eines Schienenbruchs verzögert sich die Weiterfahrt um wenige Minuten." Der Kollege höhnt: "Ja, ja, das reparieren sie jetzt sofort." Na, prima - das kann dauern! Ich drehe ab und will mich wieder ins Abteil setzen, da fährt der Zug in der Tat wieder an. Ein Wunder? Egal. In Köln nehme ich nach meiner
Erfahrung am Morgen lieber den Hinterausgang und gehe in die U-Bahnstation "Breslauer Platz". Da ist eine selige Ruhe auf dem Bahnsteig. Meine Bahn kommt pünktlich. Und hat noch viele Sitzplätze frei.

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Sie wundern sich vielleicht, warum die Wiese im Vordergrund so dunkel ist. Das liegt zum einen daran, dass es schon spät ist und folglich die Sonne bereits untergegangen ist. Und zum anderen liegt es daran, dass kein Müll rumliegt, der hell erscheinen würde. Auf diesem Stück Hofgartenwiese haben vor drei Stunden noch einige hundert Menschen gefeiert. Nach einer Loveparade wäre es zum Trauerfall für Naturschützer mutiert. Zugegeben, ich habe den Bildausschnitt so gewählt, dass ein möglichst großes Wiesenstück müllfrei ist. Natürlich haben die Menschen auch hier ihre Spuren hinterlassen. Aber beeindruckt hat mich, wie ein junger Pilger im Vorbeigehen sich immer wieder bückte um die liegen gelassenen Zeitungen und Essensverpackungen seiner Mitbrüder und -schwestern mitzunehmen. Einfach so. Respekt!
das ist auch mir aufgefallen...alles fast sauber ... ganz anders als bei allen anderen Massenveranstaltungen. Es geht also doch ...
tobias am 17.08.05 10:00
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Zum Anfang dieses EintragsKlasse eure Stimmungsbilder! So ist mensch dabei, ohne sich selbst in die Massen stürzen zu müssen. Schon erstaunlich, was für ein buntes Trüppchen hier zusammen kommt.
WJT-Blog-Süchtige am 17.08.05 14:36
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Meine Güte! Ich bin platt! Diese Stimmung ist absolut begeisternd und ansteckend. Tausende gutgelaunter, friedlicher Menschen singen und klatschen, swingen und grooven. Soviel gute Laune bei einer Messe – da möchte ich ja fast streng werden und sagen, das ist eine HEILIGE Messe. Denn in meiner Jugend hat es diese Ausgelassenheit nicht gegeben. Das Äußerste war damals ein Jugendchor, der biederen "Sacropop" gesungen hat, die Stimmung war dennoch ernst. Was ist passiert hier in Bonn? Ist es der Glaube, der die Menschen berauscht? Drogen werden sie doch wohl nicht genommen haben? Oder ist es einfach nur ein Massenphänomen, dass sich Menschen, die eine gemeinsame Überzeugung eint, gegenseitig aufputschen? Hier ertönen afrikanische Rhythmen und immer wieder jubeln die Menschen oder klatschen spontan, weil sie nicht wissen, wohin mit der guten Laune! Unzählige nationale Flaggen werden in einem bunten Fahnenmeer hin- und hergeschwungen. Kein tumber Nationalstolz, sondern Zeichen der Internationalität des Weltjugendtages. Jetzt wird der Bundespräsident aus Köln übertragen. Hat ein Politiker je diese Euphorie erlebt? Köhler kann gar nicht weitersprechen, so begeistert sind die Massen. Langsam wird es mir, ehrlich gesagt, ein bisschen unheimlich...
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Und ich dachte schon, Bonn könnte die Alternative für WJT-Besucher sein, die keine Massenveranstaltung mögen. Weit gefehlt, denn im Hofgarten feiern Tausende! Aus Lautsprechern tönen Stimmen "… wir hier in Köln…" Hoppla! Heißen denn in diesen Tagen alle Städte im Rheinland Köln? Nein, nein, es ist die Live-Übertragung von der Kölner Eröffnungsfeier. Ein Priester blickt von zwei riesigen Leinwänden und predigt: "Habt keine Angst, liebe Jugendliche, denn Gott sagt krzzzmpfdtschbrszl." Eine Tonstörung schluckt die göttliche Botschaft. Macht nichts, die Stimmung ist trotzdem erstklassig.

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Nein, überfüllt ist das "Global Village" vor der Bonner Beethovenhalle wirklich nicht. Aber so ist es eben typisch für das dörfliche Leben. Rund um eine Wiese stehen Infostände. Es geht um die Bewahrung der Schöpfung und erneuerbare Energien. Auf einem Podium werden die Auswirkungen der Globalisierung diskutiert. Während Jugendliche den Doseninhalt aus ihrem Lunchpaket löffeln plädiert der Journalist Franz Alt für die Solarenergie: "Das ist Frieden, weil um Sonne und Wind keine Kriege geführt werden!", schallt es über den Platz.

Als Dorfmittelpunkt wird im "Global Village" eine Solarkirche aufgebaut. Das Hochhieven der Solarelemente ist anstrengend für das Team. Im Schatten Beethovens erholt sich ein "Solarfighter". Der Komponist wirkt mit einer roten Jacke im Denkmal ein bisschen schnupfennäsig. Während draußen das Solardach entsteht, wird im Kircheninneren ein Kreuz mit transparenten Plastikbällen gefüllt. Auf die Bälle können Besucher fromme Wünsche notieren. Zu lesen sind sie nicht – aber vielleicht gehen geheimgebliebene Wünsche ja eher in Erfüllung.

Direkt gegenüber der Kirche quillt aus einer Presse eine lange grüne Wurst heraus. Dies ist zum Glück nicht das Küchenzelt, sondern auch hier geht es um Ökoenergien. Eine Rapsölpresse produziert zum einen Öl und zum anderen Tierfutter. Mit dem ersten Produkt können Pferdestärken gefüttert werden und mit dem zweiten Rindviecher.
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Die dringliche Bitte der WJT-Organisatoren lautet: Nutzt Bus und Bahn. Gerne. Bin mal gespannt, wie's am ersten offiziellen Tag klappt. An einem normalen Werktag bringt mich die Bahn in zehn Minuten zum Bahnhof. Heute hat sie erst mal 17 Minuten Verspätung. An einem normalen Werktag sprinte ich in so einem Fall zum Bahnsteig. Heute ist kein Durchkommen. Hunderte Menschen warten in der U-Bahnstation, und immer mehr Menschen drängen nach. "Oh, mein Gott!", entfährt es spontan einer Kölnerin. Gegen den Pilgerstrom kämpfe ich mich nach oben in den Bahnhof. Mein Zug ist weg. Dafür sind Tausende WJT-Besucher da. Sie singen, tanzen, klatschen: "Olé, olé, oléheee, olé". Als ob sie wüssten, dass der Weltjugendtag auch ein Test für die WM 2006 ist, liefern sie die passende Geräuschkulisse: "Be-ne-de-tto". Den gleichen Rhythmus kenne ich von "Lu-kas-Po-dols-ki". Draußen vor dem Dom sammeln sich die Pilger erst mal und machen Rast auf der neuen riesigen Treppe. Ein buntes Bild mit vielen unterschiedlichen Landesflaggen.
Der nächste Zug nach Bonn ist pünktlich und bringt mich fahrplanmäßig in die WJT-Stadt Nummer zwei. Hier ist es im Hauptbahnhof so voll wie an jedem normalen Werktag. Doch in der Fußgängerzone sind Pilger. Viele Pilger. Sie singen, tanzen und klatschen.
Auch PilgerInnen lernen schnell. Habe folgendes Gespräch unter den Rot-Bejackten mitgehört: "Die 16 ist immer voll." "Warum?" "Weil die direkt zum Dom fährt." "Meine" 16 kam gar nicht und die nächste zuckelte im Sightseeing-Tempo durch Kölle. Dem Blog-Kollegen Stefan wurde das Auto abgeschleppt, an falschen Stellen geparkte Fahrräder werden es demnächst auch (s. Lokal-Presse). Da hilft nur: Zuhausebleiben und beten, dass das alles schnell vorüber geht!
WJT-Blog-Süchtige am 16.08.05 17:16
Der ÖPNV und die Pilger...
Nett wäre es, wenn wenigstens die Kölner zur Arbeit gelassen würden! Ich wurde es nicht!
Miriam am 16.08.05 17:24
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Millionenfach steht es auf T-Shirts, Fahnen, Broschüren, Kerzen, Regenschirmen, Pins und Pilgerpässen: "XX. Weltjugendtag Köln 2005". Aber das ist nur die halbe Wahrheit. Denn der WJT findet auch in Bonn und Düsseldorf statt. Also, auf nach Bonn!
Wie beim Karneval eben... Da hätte Bonn auch gerne mehr. :-)
Hinz am 16.08.05 12:12
Bonn hat auch einiges zu bieten, ist echt schön;)
bonnerin am 16.08.05 12:13
Bonn hat auch einiges zu bieten, ist echt schön;)
bonnerin am 16.08.05 12:13
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WJT-Sprecher Matthias Kopp hatte am Montag (08.08.05) noch gesagt, man werde um besseres Wetter beten und einen Besuch von Kardinal Meisner bei der Schwarzen Madonna von Köln angekündigt. Der Kölner Erzbischof kam heute in die Gemeinde "Maria in der Kupfergasse" und ruderte erst mal zurück: Er wolle nicht - wie es das Karnevals-Dreigestirn tue - eine Kerze für gutes Wetter entzünden. Das Wetter liege allein in den Händen des Herrn. Nein, er wolle für einen guten Weltjugendtag beten. "Gott hat Maria die Regie für die Erziehung seines Sohnes gegeben", erläutert der hohe Würdenträger volkstümlich die Bedeutung der Muttergottes. Und so wolle er, Meisner, nun Maria die Regie für den Weltjugendtag übertragen. Und dann stellte der Kardinal eine Kerze in den Maßen XXL auf, die er von einem jugendlichen Helfer entzünden ließ. Unter diesem Licht stimmte Meisner ein umfangreiches Repertoire von Mariengebeten und -liedern an. Und sang die ansonsten doch sehr textfeste Gemeinde geradezu an die Wand: Bei einigen Gesängen wurden die zweiten und dritten Strophen etwas dünner, umso inbrünstiger fielen dann alle wieder in den Refrain ein: "Maria hilf uns allen, aus der tiefen Not."

Kardinal Meisner ist ein häufiger Besucher der Gemeinde, die wegen der Madonna mit dem schwarzen Gesicht als Wallfahrtsstätte gilt. In dieser Kirche, mitten in der Kölner City, ist jeden Sonntag Ostern und Weihnachten zusammen - und zwar, was die Menge der Gläubigen anbelangt, die in die Messe strömen. Das kennen andere Gotteshäuser nur von hohen Feiertagen. Die Gemeinde von "Maria in der Kupfergasse" ist bekannt für ihre deutlich konservative Ausrichtung und zieht damit Katholiken über Köln hinaus an. Der Kardinal weiß, dass er auf die Kupfergassen-Schäfchen zählen kann. Zum Abschluss seines Besuchs sagt er zur Gemeinde: "Ich verlasse mich ganz auf euer Gebet. Kann ich das?" Die meist älteren Damen in den Bänken nicken heftig und eine sagt noch entschieden: "Aber hundertprozentig!"
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Mit nur fünf Minuten Verspätung kommt der erste Sonderzug mit Pilgern aus Italien im Kölner Hauptbahnhof an. Aber auf Gleis 2 ist es leer. Geradezu gespenstisch leer. Wo sind all die Herbergseltern, die ihre Pilger in Empfang nehmen? "Herzlich willkommen zum Weltjugendtag in Köln" tönt es zumindest sehr freundlich aus dem Lautsprecher. Die Türen bleiben zu. Dann eben auf Englisch: "Welcome to the Weltjugendtag in Cologne". Noch immer steigt niemand aus. Der Zug verlässt Köln ohne auch nur einen Pilger in der Domstadt zu lassen. Denn sein Zielort ist Essen. Dort finden ab heute - wie in allen deutschen Diözesen - bis zum 15. August die "Tage der Begegnung" statt. Rund 120.000 Jugendliche aus 160 Ländern werden dazu erwartet.
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Ein Kasten steht am Rheinufer und verbreitet hörbar für alle eigentümliche Geräusche: "Blobberpfff, blobberpfff." Es sind die Atemgeräusche des Polizeitauchers. Er ist gerade unter Wasser und sucht den Rhein nach "gefahrträchtigen Gegenständen" ab, wie es im Fachjargon heißt. Kurz nachdem der Taucher unter die Wasseroberfläche verschwunden ist, kommt er wieder hoch. Gespannte Erwartung: Was ist passiert? Nichts! Lediglich die Strömung ist zu stark. Darum erhöht der Taucher den Gewichtgürtel um seinen Hüften auf das Doppelte, nämlich auf acht Kilo. Jetzt kann er auch tiefer abblobbern. Die Presse vertreibt sich die Wartezeit mit Zahlensammeln: Der Rhein ist hier 380 Meter breit, und bis zu 4,80 Meter tief. Die Wassertemperatur an der Oberfläche beträgt 19 Grad, weiter unten 16 - 17 Grad ("also nicht kalt"). Ein weiterer Taucher steht einsatzbereit am Ufer. Falls etwas passieren sollte, wird er sofort ins Wasser springen und den Kollegen retten. Polizeipressesprecher Jahn stellt klar: "Tauchen ist eine gefahrenbehaftete Tätigkeit und keine Bademeistertätigkeit." Die Ausbeute in einem Hallenbad ist vielleicht größer als heute Vormittag am Rhein. Denn der Taucher findet nichts. Noch nicht mal ein altes, verrostetes Fahrrad. Also alles normal. Das ist eigentlich keine Meldung wert. Aber Köln ist im Ausnahmezustand und die Schreckensszenarien haben Konjunktur. Da ist es wichtig festzuhalten: Keine gefahrbringenden Gegenstände gesichtet! Der Papst kann kommen.

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Burkhard Jahn ist ein freundlicher und serviceorientierter Mensch. Das erleichtert mir die Arbeit, denn er ist Polizeipressesprecher. Während ich ihn am Rheinufer zu der Arbeit der Polizeitaucher befrage, die gleich den Fluss absuchen werden, zeigt er aufgeregt auf zwei Schiffe: "Da, das ist DAS Bild! Da haben Sie die Rheinenergie, auf der der Papst hier lang fahren wird, und ein Polizeiboot." Vielen Dank!
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Die Fußwallfahrt ist auch Kopfarbeit. Wie hier für Melanie. Sie studiert in Bayern Theologie und ist für eine Etappe angereist. Fünf Tage lang geht sie mit und trägt auch immer wieder das Kreuz. Da sie nur 1,50 groß ist, legt sie sich den Holzbalken einfach auf den Kopf. Damit kann es in einer Höhe mit den beiden anderen Trägern gehalten werden.
Melanie über das Erlebnis des Kreuztragens
Es ist die erste Wallfahrt der 24-Jährigen. Reinhard Marx weiß hingegen nicht, die wievielte Pilgerfahrt es für ihn ist. Er war im "heiligen Land, in Syrien, in Santiago, ach man kann ja überall pilgern, letztens im Urlaub auch in Tirol." Er wandert heute quasi als "primus pilger inter pares" mit, denn er ist der Bischof des Bistums Trier.

Reinhard Marx erklärt die Bedeutung der Wallfahrt
Warum gehen die Menschen 20 oder 100 oder noch mehr Kilometer hinter einem Holzkreuz her? Bei 200 Pilgern macht das fast 200 verschiedene Antworten. Zwei Mexikaner sind als gläubige Katholiken extra zum Weltjugendtag angereist ("for the first time in Europe"). Doch es gehen auch Konfessionslose mit, Menschen, die auf der Suche sind nach dem Spirituellen. Oder einfach neugierig und offen Christen erleben wollen. Wie zum Beispiel Roland Zimmermann. Der 36-Jährige ist seit 15 Tagen dabei. Damit hält er in der heutigen Pilgergruppe den Streckenrekord. Nach 300 Kilometern per Pedes tun ihm die Füße zwar weh, "aber es ist ein gleichmäßiger Schmerz" sagt er lachend. Früher hat er in der Fremdenlegion gearbeitet. Heute entschärft er als Kampfmittelräumer Mienen in aller Welt. Von der Wallfahrt hat er aus der Presse erfahren und sich spontan entschlossen, mitzugehen.

Warum Roland Zimmermann mitpilgert
Und weil die Pilger auch im zweiten Teil der Tagesetappe flott unterwegs sind, wird kurz vor dem Ziel, dem Kloster Marienstatt, noch eine Warteschleife gewandert. Immer noch zu früh. Dann wird eben einen Steinwurf vom Kloster entfernt gewartet. Denn pünktlich um 18 Uhr setzt sich dort eine Menschenmenge in Bewegung. Eine Delegation des Klosters mit Abt und allen Patres und Fratres, Blaskapelle und Weihrauch und rund 50 Gläubigen kommt der Pilgerschar feierlich entgegen. Das Kreuz wird gesegnet und gemeinsam geht es dann zum prachtvollen Kloster mit seiner Brauerei, wo das Abendessen wartet.
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"Viel zu viel Straßen heute", murrt der bärtige Träger der Weltjugendtagsfahne. Er nennt sich "Pilgerbruder Schorsch" und war auch gestern schon dabei. "Da sind wir quer über die Wiesen gelaufen." Am 33. Tag wandert die mit Abstand größte Gruppe der bisherigen Kreuzwallfahrt. In Unnau ist sie nochmals auf weit über 200 angewachsen. Das erfordert viel Disziplin, immer wieder muss die Gruppe zusammengehalten werden, damit sie nur eine Straßenseite blockiert. Und der Sicherheitsabstand zu den Kreuzträgern muss gewahrt werden. "Sonst hat der Bibelspruch mit dem Balken im Auge eine ganz neue Bedeutung" ulkt ein schlaksiger Jugendlicher, während er die Perlen seines Rosenkranzes durch die Finger gleiten lässt. Etliche Meter weiter hinten rätseln die Pilger, warum der Zug stockt. Eine Frau gibt die einzig richtige Antwort: "Wir sollten beten anstatt uns rumzuärgern." Immer wieder fangen spontan einige Menschen an zu singen und alle stimmen mit ein. Das hebt die Laune und sammelt die Konzentration wieder auf das Wesentliche.
Pilger singen das Weltjugendtagsmotto
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Der katholische Glauben muss beflügeln! Denn die Pilger wandern einen flotten Schlappen. Eine halbe Stunde früher als angekündigt kommt die Gruppe in Unnau anmarschiert. Vorne weg das Holzkreuz und Fahnen schwenkende Jugendliche. Eine Mitarbeiterin der evangelischen Gemeinde in Unnau ist erstaunt über die Größe der Pilgerschar. Sie hätten ursprünglich mal mit 40 gerechnet, dann seien am Morgen von den Organisatoren aber 120 angekündigt worden. Bei der Mittagsandacht in der vollbesetzten kleinen Kirche wird klar, es müssen rund 200 religiöse Wanderer sein. Neben der Kerngruppe von Jugendlichen, die eine ganze fünftägige Etappe wandern, sind viele Tagesgäste dabei. Viele von ihnen sind schon längst dem Status "Jugend" entwachsen. So wird das Pilgern zu einem Generationen übergreifendem Erlebnis. Zwei Stunden bleiben Zeit, um sich für die zweite Teilstrecke des Tages zu stärken. Um 14 Uhr geht es weiter zum Kloster Marienstatt.
Mir wird jetzt wirklich klar: Jetzt geht's los! Die ganzen Christen kommen in meine Heimatstadt. Auhauerha, würde Werner sagen. Aber der kesselt sich an der Ostsee ein Bierchen nach dem anderen...
würstchen am 09.08.05 16:53
entschuldigung warum tragen die denn ein holzkreuz von ikea durch ihre gemeinde. es gäbe doch soviel sinnvolleres zu tun. den beginn des neuen schuljahres vorbereiten. mutter und vater im haushalt helfen. und soviel gutes und wichtiges...
mister knister am 09.08.05 18:28
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Zum Seitenanfang"Das Kreuz ist sauschwer." – So lautete das Urteil von Joachim Kardinal Meisner. Durch den Thüringer Wald schulterte der Kölner Erzbischof zusammen mit anderen Pilgern Ende Juli dieses Jahres die 41 Kilo Holz. Gestiftet wurde das schlichte Kreuz 1984 von Papst Johannes Paul II, dem Erfinder des Weltjugendtages. Seitdem reist es quer durch die Welt. Und nun auch einmal quer durch Deutschland. Wirklich quer und nicht längs. Der Pilgerweg der Fußwallfahrt "kreuzbewegt" geht von Dresden nach Köln, also von Ost nach West. Das ist der Projektleiterin Simone Honecker besonders wichtig: "Wir wollten die Bewegungsrichtung der Heiligen Drei Könige aufgreifen und auch ein Zeichen für die Wiedervereinigung setzen." Kaspar, Melchior und Balthasar brachen auch im Osten auf und landeten schlussendlich in Köln. Genauer im Dom, wo ihre Gebeine ruhen (sollen).
Eine wahre Knochenarbeit ist die Wallfahrt von Dresden - dem Kölner Partnerbistum - ins Epizentrum des Weltjugendtages für die Pilger: Bei brütender Hitze und in prasselndem Regen tragen sie das Kreuz durch Wälder, über Wiesen und Straßen. An fünf Tagen wandern sie rund 100 Kilometer. Dann kommt die "Wachablösung" der nächsten Pilgergruppe. Der Startschuss war am 08.07.05 und am 16.08.05 soll das Kreuz in Köln ankommen. Macht symbolträchtige 40 Tage Differenz. Also die Zeitspanne, die Jesus in der Wüste verbrachte. Oder in eine andere "Bußwährung" umgerechnet macht das einmal die Fastenzeit von Aschermittwoch bis Ostersonntag.
Heute ist Tag Nummer 33. Die Tagesetappe startete in Höhn im Westerwald. Zur Mittagszeit werden die Pilger in der evangelischen Kirchengemeinde in Unnau erwartet.
Abenteuer Pilgerfahrt - Mit Stab und Pilgerbeutel unterwegs nach Köln
Wenn der Weg das Ziel ist - Immer mehr Abenteurer machen sich auf den Jakobsweg
Zum SeitenanfangErkenntnisse meiner katholischen Kindheit in Aachen: Eine Kirche braucht kein Lang- und Querschiff – ein grauer Betonklotz ("Christus unser Friede") tut’s auch. Jesus kann ich essen und Dankbarkeit singen: "Danke für diesen guten Morgen".
Persönliches religiöses Highlight: War’s mein Telefonat mit Martin Gotthard Schneider (Komponist des "Danke"-Liedes)? Oder meine Reportage über Küster Kuhlmanns Knisterkerzen? Nein, es war das Interview mit Hans Mörtter über die Bedeutung des Segens. Er hatte 1995 als erster evangelischer Pfarrer der rheinischen Landeskirche ein schwules Paar "getraut".
Am Ende des Weltjugendtags möchte ich singen: "Danke, für meine Arbeitsstelle, danke, für jedes kleine Glück; danke für alles Frohe, Helle und für die Musik."
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